Musikexperte Jan Simowitsch: Worship-Szene ist bunt

Ein Instagram-Post der Worship-Sängerin Mia Friesen sorgt für Kritik: Dort wettert der Star der Szene gegen eine „woke“ Kirche, die etwa gegen Rassismus kämpft. Musiker Jan Simowitsch ist entsetzt.

Seit 2016 ist Jan Simowitsch als Pop-Kantor Referent für Popularmusik in der Nordkirche und Musikproduzent
Seit 2016 ist Jan Simowitsch als Pop-Kantor Referent für Popularmusik in der Nordkirche und Musikproduzentprivat

Fast 1.000 Kommentare gibt es auf den Instagram-Post der bekannten Worship-Sängerin Mia Friesen. Viele kritisieren Friesen für ihre Worte, einige feiern die Musikerin dafür. Einer der Kritiker ist der Pianist und Komponist Jan Simowitsch. Der Referent für Popularmusik der Nordkirche und versucht seit langer Zeit, landeskirchliche Popmusik und freikirchliche Worship-Musik zu verbinden, wie er erzählt. Über die Jahre seien viele wertvolle Beziehungen und Freundschaften entstanden.

Was hast du gedacht, als du den Post von Mia Friesen gesehen hast?
Jan Simowitsch:
Es hat mich wenig überrascht, muss ich gestehen. Ich war eher genervt und dachte: Nicht schon wieder. Weil so droht, dass alles wieder kaputt geht, was an Gutem gewachsen ist zwischen landeskirchlicher und freikirchlicher Worship-Musik. Das ist frustrierend. Außerdem kenne ich alle Leute auf den Bildern des Postings und mag sie.

…und dann hast du reagiert?
Ja, zuerst habe ich bei Sarah Vecera nachgefragt, ob es für sie okay ist, wenn ich hier poste und dann habe ich mir einen Kommentar überlegt. Zuerst habe ich die Worshipszene für ihre selbst erarbeitete Buntheit gelobt und dann aber dazu aufgefordert, diesem Kanal bitte nicht mehr zu folgen und dass ihr Post mit einem christlichen Menschenbild wenig zu tun hat. Mias Wunsch ist es, die Szene und uns auseinanderzubringen. Den Gefallen möchte ich ihr nicht tun. Man sollte jetzt mit Mia und ihrer Band brechen, auch wenn sie die Nummer 1 unter Worship-Bands sind. Sie hat eine Grenze überschritten und ich hoffe, dass die Szene jetzt begreift, dass sie sich von ihr loslösen müssen.

War der Post also kein Einzelfall?
Nein, gar nicht. Es gab schon einmal so einen furchtbaren Post nach dem Kirchentag. Da hatte Mia die Predigt von Pastor Quinton Ceasar für Toleranz und Inklusion der LGBT-Gemeinde im Visier. In einem Posting führte sie einen Vergleich der Kirche mit Nazis an. Daraufhin suchten viele Musiker das Gespräch mit ihr. Aber es gab nie eine Entschuldigung. Der Post wurde nie gelöscht.

 

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Warum ist der aktuelle Post so problematisch?
Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll: Eigentlich ist da alles falsch dran. Es werden farbige Menschen, People of Colour, herausgestellt, weil sie für Offenheit stehen in der Kirche und sich gegen Rassismus einsetzen wie zum Beispiel Sarah Vecera und Nathalie Eleyth. Und sie werden von Mia als etwas dargestellt, was von Jesus wegführt. Das ist theologisch so etwas von falsch. Wir wissen, dass Sarah auch außerhalb der digitalen Welt angefeindet wird. Solche Posts befeuern das. Das ist so gefährlich.

Was erwartest du jetzt von Mia und ihren Bandmitgliedern?
Da wird nichts passieren. Die stehen weiter rechts als öffentlich bekannt. Das ist deren Grundüberzeugung, da passiert nichts ausversehen.

Beobachtest du rechte Tendenzen in der Worship-Szene?
„Die“ Szene gibt es so eigentlich nicht. Aber insgesamt hat sich Worship-Musik gewandelt. Da ist ganz viel Gutes entstanden aus der Szene heraus und in der Zusammenarbeit mit landeskirchlicher Worship-Musik. Wir haben viel Verbindendes geschaffen. Das Vertrauen haben wir uns mühsam aufgebaut. Und genau das will Mia kaputt machen und das werde ich versuchen – so gut ich´s kann – zu verhindern. Natürlich gibt es auch Menschen, die Mia folgen, die finden das gut, was sie da postet. Wahrscheinlich wird ihre Followerzahl sogar steigen.

Aber Worship ist so viel bunter. Und mit dem Post wird wieder ein negatives Bild auf Worship geworfen. Dabei gibt es zum Beispiel auch queere Menschen, die Worship hören. Mir ist wichtig, dass ich mich immer wertschätzend gegenüber der Szene verhalte. Ich werde sie weiter feiern und supporten. Nächstes Jahr gebe ich Fortbildungen zu dem Thema Worship und Gemeindesingen in Landes- und Freikirchen in der Nordkirche.