Kinderchortag der Nordkirche

Wer singt, befreit die Angst

In Neubrandenburg findet der nächste Kinderchortag der Nordkirche statt. Mehr als 126 Kinder haben sich angemeldet, um die Kantate „Georg – Nur Mut!“ von Antoinette Lühmann und Jan Simowitsch gemeinsam einzustudieren und aufzuführen.

Bereits am 30. April fand in Plön ein Kinderchortag statt. Auch hier ging es um die Kantate „Georg - Nur Mut!“.

von Anja Goritzka

Neubrandenburg. „Wir haben die Kantate ‚Georg – Nur Mut‘ extra für Kinder entwickelt in der Corona-Zeit“, berichtet Christiane Hrasky. Die Kinder konnten sich die Hintergründe des Stückes mit Malvorlagen und Elfchen schreiben erarbeiten. Hinzu kamen QR-Codes zum Musik anhören. Hrasky meint: „Gerade in der Lockdown-Zeit ging die ganze Selbstwirksamkeit der Kinder verloren.“ Kinderchorarbeit fand in vielen Gemeinden nicht mehr statt, weil nicht mehr zusammen gesungen werden konnte, und wenn, dann nur mit Abstand, draußen und mit Maske. „Die Kollegen fegen gerade die Scherben zusammen“, meint sie.

Das bestätigt auch Kantor Christian Stähr von der Neubrandenburger Gemeinde St. Johannis. Seine Kinderchorarbeit war an einen Kindergarten gekoppelt. „Proben unter diesen Bedingungen geht einfach nicht mit Vierjährigen“, meint er heute. Eine weitere Gruppe mit Kindern musste er unter den erschwerten Bedingungen aufgeben. Andere Kantoren griffen in Mecklenburg-Vorpommern zu Zoom-Proben und dann – als es wieder möglich war – zu Proben auf Pfarrhöfen, wie in der Warener St.-Georgen-Gemeinde. Christian Stähr arbeitet nun musikalisch im Bereich Christenlehre in seiner Gemeinde mit Kindern weiter. Und wirkt beim Kinderchortag mit: „Ich darf den Drachen spielen.“
Anders als in der Drachenlegende um den Heiligen Georg bringt der Georg in der Kantate diesen nicht um. „Am Kinderchortag werden die Teilnehmenden ihre Ängste, Sorgen und Nöte auf Stoffstreifen schreiben. Diese werden an den Drachen geheftet“, verrät Hrasky. Der Kinderchortag in Neubrandenburg beginnt am 14. Mai.

„Wenn ich singe, kann ich keine Angst haben“

Georg wird ihn nur verletzen, und der Drache zieht in die Stadt mit ein. „Das wird ein ganz großer Spaß für die Kinder“, ist die Landeskantorin überzeugt. Unterstützt werden die kleinen Sänger und Sängerinnen übrigens von einem Pantomimen. „Nicolas Rocher aus Berlin stellt das, was die Kinder singen und erzählen dar“, so Hrasky. Das gebe der Aufführung der Kantate nochmals eine besondere Tiefe. Sie findet es schade, dass vieles im Blick auf die Kinderchorarbeit in den Gemeinden einschlief und hofft auf ein Aufleben. „Es gibt, was Musik betrifft, nichts wichtigeres. Wenn wir wollen, dass in 20 oder 30 Jahren noch jemand in unseren Chören singt, dann müssen wir jetzt bei den Kindern anfangen.“

Außerdem sei Singen enorm gesund im Hinblick auf die Muskelarbeit und die Botenstoffe, die dabei ausgeschüttet werden. „Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen außerdem, dass das Singen und die Angst im gleichen Hirnareal angesiedelt sind. Wenn ich singe, kann ich keine Angst haben. Das ist ein wunderbarer Effekt, gerade jetzt in dieser Zeit“, so Hrasky weiter. Sie ist froh, dass gemeinsames Singen jetzt wieder in Mecklenburg-Vorpommern möglich ist und hofft, dass die teilnehmenden Jungen und Mädchen beim Kinderchortag in Neubrandenburg ganz viel für sich mitnehmen können. Am Samstag, 30. April, hatte dies in Plön schon einmal geklappt. Hier fand der erste Kinderchortag der Nordkirche statt.

Auch in der Georgengemeinde in Waren wird die Kantate nochmals aufgeführt. Am Sonntag, 22. Mai, findet anlässlich der Warener Musiktage um 10 Uhr in der Georgenkirche ein Kantatengottesdienst statt. Die Kinder werden vorher am Chortag in Neubrandenburg teilnehmen.

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