Der islamische Fastenmonat Ramadan läuft noch zwei Wochen, bis zum 9. April. Laut einer Studie beteiligen sich vier Fünftel der Musliminnen und Muslime in Deutschland etwa ab ihrem 14. Lebensjahr am Verzicht auf Essen und Trinken zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang. Dass Frankfurt und Köln aus Anlass des heiligen Monats erstmals Straßen beleuchten, hat für Kritik gesorgt. Funkelnde Halbmonde und "Happy Ramadan"-Geglitzer sehen viele als Anbiederung an den Islam und falsche Toleranz gegenüber einer teils wenig integrierten Minderheit.
Ein häufiges Argument: Christen in muslimischen Ländern könnten ihre Feste in der Öffentlichkeit kaum feiern, während die Mainmetropole mal eben bis zu 100.000 Euro für orientalisches Brauchtum springen lässt. Ein Blick in die islamische Welt zeigt jedoch ein vielfältigeres Bild. Im Nahen Osten, der Wiege des Christentums, wo Christen bis heute mehr oder weniger große Minderheiten bilden, ist nicht nur das religiöse Leben fast uneingeschränkt möglich. Zum populärsten christlichen Fest, Weihnachten, schmücken sich die meisten großen Städte der Region auch in typisch abendländischem Lichterglanz.
Rot-weiß gewandete Weihnachtsmänner in Ägypten
Bethlehem-Sterne über den Straßen Kairos oder Alexandrias und rot-weiß gewandete Weihnachtsmänner am Nilufer gehören in Ägypten ganz selbstverständlich zur vorweihnachtlichen Kulisse. Dort leben sechs bis acht Millionen koptische Christen. Im Alltag werden sie oft diskriminiert, doch am Weihnachtsfest nehmen der Staat wie auch privat viele Muslime Anteil. Ähnlich sieht es in Jordanien und Syrien aus, wo Christen noch sechs bis zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen und üppig geschmückte Christbäume auf den Plätzen von Damaskus oder Amman festliche Stimmung verbreiten.Strenge Islamgelehrte bewerten es als "haram", also verboten, dass Muslime Christen zu deren religiösen Festen gratulieren oder Geschenke austauschen. In einer historischen Fatwa erklärte die renommierte Kairoer Azhar-Universität dies 2019 jedoch für erlaubt. Weihnachten löst dabei weniger theologische Kontroversen aus als das Osterfest. Denn Muslime verehren Jesus zwar als Propheten, dessen Geburt man gedenken kann, halten ihn aber nicht für Gottes Sohn und verneinen seine Kreuzigung und Auferstehung.Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
