Wie Jesus dank KI zum Influencer “JC” wird

Videos mit Jesus als Influencer fluten das Internet. Dabei filmt sich “JC” dank KI selbst. Das schafft emotionalen Zugang zur Bibel, freut sich die Influencerin Josephine Teske – und warnt zugleich.
Wie Jesus dank KI zum Influencer “JC” wird
„Das Essen ist lecker, die Musik super“: Jesus filmt seine Mutter und sich auf der Hochzeit zu Kana
Youtube / Fame Frontliner

„Es werden immer mehr von diesen Videos reingespült, in denen sich Jesus selbst filmt“, sagt Josephine Teske. Manche habe sie „richtig gern“ gesehen und darüber geschmunzelt. Doch zugleich warnt die Pastorin aus Hamburg, die selbst als Influencerin im Internet aktiv ist und auf Instagram mehr als 42.000 Follower hat. „Ich sehe diese Entwicklung auch kritisch. Denn nicht alle Menschen können die Botschaften der Videos reflektieren.“ Das betreffe vor allem jüngere Menschen.

Dabei kommen viele Videos harmlos daher. Sie zeigen Jesus etwa bei der Hochzeit zu Kana, die er zusammen mit seiner Mutter besucht. Im goldenen Abendlicht „checkt“ der biblische Influencer die Stimmung und lässt die Kamera über eine fröhliche Gästeschar gleiten. Doch dann meldet sich seine Mutter: Der Wein sei aus. Nun habe "JC" offiziell ein Problem, sagt sie lachend in die Kamera. Der Rest ist Geschichte, aus Wasser wurde Wein.

„Solche Videos, die im Selfie-Stil gemacht sind und mit trendigen Melodien versehen werden, schaffen emotionale Zugänge zu biblischen Geschichten“, erklärt Teske. Dagegen sei nichts einzuwenden. Doch die KI vereinfache die biblischen Geschichten. Dabei nehme sie bewusst Täuschungen in Kauf. „Ganz schlimm wird es, wenn in den Videos Jesus menschenverachtende Positionen zugeschrieben werden.“

„Glaubt nicht alles,  was ihr seht!“

Für den KI-Experten Karl Teille liegt die zunehmende Zahl solcher Videos in der Natur der Sache. „Die KI wird immer besser, und sie kostet nichts“, sagt der Referent für KI und Ethik der Service Agentur der Landeskirche Hannovers. Es gebe kaum noch einen Unterschied zu Filmen, in denen Schauspieler auftreten. Daher sei es umso wichtiger, dass die KI als Urheberin in den Videos gekennzeichnet werde.

Junge blonde Frau mit ihrem Handy in der Hand in einer Kirche vor dem Altar
Die Hamburger Pastorin Josephine Teske hat auf Instagram mehr als 42.000 Follower
Timo Teggatz

Auch Teille sieht zunächst einen positiven Effekt. „Wenn ich mich auf die Illusion einlasse, kann ich aus den Videos etwas lernen. Aber ich würde sie mir nicht stundenlang anschauen, sondern lieber ein theologisches Buch lesen.“ Die eigentliche Gefahr sieht Teille jedoch in der Ideologie, etwa die Vorstellung vom personifizierten Bösen, die in manchen Videos unterschwellig verbreitet werde. „Man muss aufpassen, welche subtilen Informationen und Botschaften hängen bleiben.“ Daher dürfe die Kirche diese Entwicklung nicht ignorieren. Stattdessen solle sie eigene Videos produzieren.

Pastorin Josephine Teske sieht die Jesus-Videos vor allem als Bildungsaufgabe in Schulen und im Konfirmandenunterricht. „Gut gemachte Videos können hilfreich sein. Aber es muss auch klar sein: Glaubt nicht alles, was ihr seht!“

Sven KriszioS
Ein Beitrag von:

Sven Kriszio

ist in Bremerhaven aufgewachsen und hat in Bielefeld und Hamburg Theologie studiert. Wurde nach dem Diplom Volontär bei der Kirchenzeitung in Kiel und wechselte später nach Hamburg. War freier Mitarbeiter, Redakteur und zuletzt Redaktionsleiter. Nach einer Auszeit – unter anderem mit Mitarbeit in der Pressestelle der EKD – jetzt wieder Redakteur bei der Evangelischen Zeitung. Diesmal in Hannover.

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