Bei einigen Fällen von sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche lassen sich nach den Worten der reformierten Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden Muster erkennen. Das gelte etwa in den Fällen, in denen sich sexualisierte Gewalt mit geistlichem Missbrauch verbinde, sagte Bei der Wieden vor der Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche in Emden. Das sei „besonders perfide, denn sie greifen ins Herz dessen, was gemeindliches Leben trägt: nämlich ins Vertrauen“.
„In diesen Fällen bauen die Täterinnen und Täter ein Verhältnis zu den betroffenen Personen auf, das von Verständnis, Empathie und religiöser Inspiration geprägt ist“, erläuterte die leitende Theologin. „Heranwachsenden, die sich auch außerhalb des Elternhauses auf die Suche nach religiöser, sozialer und sexueller Orientierung begeben, bieten sie sich als stärkende und inspirierende Vorbilder an.“ In dem Maß, in dem die geistliche Beziehung wachse, suchten die Täterinnen und Täter auch die körperliche Nähe bis hin zu sexuellen Handlungen. Die betroffenen Personen wagten dann oft nicht, die wachsenden Übergriffe zurückzuweisen, unter anderem aus der Angst heraus, eine wichtige Bezugsperson zu verlieren.
