Kirchen rufen nach Brand im Flüchtlingslager Moria zu Hilfe auf

„Eine Katastrophe mit Ansage“ 

Alle haben es geahnt, keiner konnte es verhindern: Die Kirchen beklagen die Situation im Flüchtlingslager Moria schon lange. Jetzt fordern sie, die Menschen aufzunehmen.

Vor den Flammen fliehen die Menschen im Flüchtlingslager Moria

von epd

Frankfurt a.M./Hannover/Moria. Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos haben die beiden großen Kirchen ein Umdenken in der europäischen Flüchtlingspolitik gefordert. „In die Betroffenheit über das Elend der Schutzsuchenden mischt sich die Bestürzung über das politische Versagen. Man muss es wohl so offen sagen: Es handelt sich um eine Katastrophe mit Ansage“, erklärte der Vorsitzende der Migrationskommission und Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderte sofortige und dauerhafte Hilfe für die betroffenen Menschen.

In der Nacht zum Mittwoch hatte ein Feuer große Teile des mit mehr als 12.000 Menschen völlig überfüllten Lagers auf der griechischen Insel Lesbos verwüstet. Wie die offenbar mehreren Brände entstanden, war zunächst unklar. Tausende Menschen brachten sich nach Informationen der Hilfsorganisation Medico International vor den Flammen in Sicherheit und irren nun über die Insel. Berichte über Verletzte oder Tote lagen zunächst nicht vor.

Meister appelliert

Der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister appellierte an die Bundesregierung, den Menschen im Lager Moria zu helfen. „Wir würden als evangelische Kirche alle Möglichkeiten vollständig unterstützen, dass man diesen Menschen einen menschenwürdigen Aufenthaltsort gibt, und dann im Rahmen der Asylgesetze darüber berät und beschließt, wo sie letztlich bleiben können“, sagte er. Meister sprach von einer „absoluten Katastrophe“, die allerdings erwartbar gewesen sei.

Auch der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher aus Leer forderte die Bundesregierung auf, aktive Hilfe zu leisten. „Das seit Monaten hoffnungslos überfüllte Moria erfüllt schon lange nicht einmal humanitäre Mindeststandards“, sagte er: „Europa hat hier versagt. Wir müssen uns für unsere Hartherzigkeit schämen.“


Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, hatte sich bereits am Morgen auf Twitter geäußert – mit einer Frage: „Wie viele Menschen müssen noch auf den Meeren oder in überfüllten Flüchtlingslagern täglich ums Überleben kämpfen, bis wir uns in den Ländern Europas erbarmen?“ schrieb sie in dem Kurznachrichtendienst. In Gedanken und Gebeten sei sie bei den Menschen in Moria.

Der evangelische Migrationsexperte Manfred Rekowski forderte, nach dem Brand in Moria ein Zeichen für eine europäische Aufnahme Geflohener zu setzen. Ein abgestimmtes europäisches Handeln bei der Aufnahme von Geflüchteten sei „dringend notwendig, ja überfällig“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Schlimme Zustände

„Das Leid, das Tausende Menschen dort seit Monaten ertragen, lässt sich kaum in Worte fassen“, fügte Bedford-Strohm hinzu, der auch bayerischer Landesbischof ist. Seit langer Zeit sei auf die schlimmen Zustände in dem Lager hingewiesen und Abhilfe gefordert worden. „Trotzdem durften nur wenige Menschen das Lager verlassen“, kritisierte er.

Der katholische Flüchtlingsbischof Heße erklärte, schon seit langem sei die Situation der Schutzsuchenden auf den ägäischen Inseln – vor allem im überfüllten Lager Moria – unerträglich: Deshalb hätten Kirche und Zivilgesellschaft immer wieder appelliert, die humanitäre Krise an den EU-Außengrenzen zu überwinden und für eine menschenwürdige Aufnahme der Schutzsuchenden zu sorgen.“ Mit Nachdruck sei gefordert worden, dass vor allem Kinder, Familien und besonders verletzliche Flüchtlinge aus dem Lager Moria rasch auf das europäische Festland gebracht und in Deutschland oder anderen EU-Staaten aufgenommen werden. „Passiert ist bislang erschreckend wenig.“ (epd)

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