Bischöfin Fehrs: Interreligiöser Dialog wichtiger denn je

Das Gespräch zwischen den Religionen ist nicht „für lau“ zu haben, so die Theologin, für die es als Frau mit anderen Religionsführern nicht immer einfach ist.

Lübeck-Travemünde. Bischöfin Kirsten Fehrs hat an Politik und Gesellschaft appelliert, den interreligiösen Dialog nicht aufzugeben. Gerade in Krisenzeiten sei das Gespräch wichtiger denn je, sagte Fehrs am Freitag vor der Nordkirchen-Synode in Lübeck-Travemünde. Notwendig sei auch der Dialog mit der Wirtschaft. Zugleich verteidigte sie die Schließung von einigen Kirchen in Hamburg.
Die Bischöfin warb erneut für den Staatsvertrag mit dem muslimischen Gemeinschaften. CDU, FDP und AfD hatten gefordert, den Staatsvertrag aufzugeben oder auszusetzen, waren damit in der Bürgerschaft aber gescheitert. Ziel des interreligiösen Dialogs sei es, die dialogbereiten Kräfte zu stärken und extremistische Ansichten deutlich zurückzuweisen, sagte Fehrs.

Kein Handschlag für die Bischöfin

Die aktuellen Entwicklungen in der Türkei würden allerdings auch das interreligiöse Miteinander belasten, räumte Fehrs ein. "Interreligiöser Dialog ist nicht für lau – das ist echt Arbeit." Es sei nahezu ein Wunder, dass es in Hamburg immer noch einen gemeinsamen Religionsunterricht mit Beteiligung aller großen Religionen gebe. Die Unterschiede der Religionen sollten nicht relativiert, sondern müssten ausgehalten werden.
Es sei für sie als Frau nicht einfach, mit Religionsführern zu sprechen, die ihr nicht die Hand geben wollen, sagte Fehrs. Dies sei am besten mit viel Humor zu leisten. "Dabei müssen sie aushalten, dass ich die Sitzung leite." Fehrs ist Vorsitzende des Interreligiösen Forums in Hamburg.

Zu viele Kirchen in Hamburg

Es gebe in Hamburg mittlerweile regelmäßige Treffen mit Vertretern von Wirtschaft und Kirche, sagte die Bischöfin. Im Management arbeiteten viele überzeugte Christen, denen in der Unternehmensführung ethische Fragen wichtig seien.
Angesichts der gesunkenen Mitgliederzahl gibt es nach Aussage der Bischöfin in Hamburg zu viele Kirchengebäude. Dies sei vor allem ein Erbe der Nachkriegszeit. Damit seien die Hamburger Gemeinden aber personell und finanziell überfordert. Es gehe dabei nicht um einen Abbau der kirchlichen Arbeit, sondern um einen Umbau. Gebäudekosten, Personalkosten und kirchlicher Auftrag müssten in einer Balance stehen.

Nordkirche will sich bei G20 einmischen

Außerdem hat die Nordkirche beschlossen, sich engagiert in die Debatten des G-20-Gipfels in Hamburg einzubringen. Lösungen für die aktuellen globalen Probleme könnten nicht durch Abschottung gefunden werden, heißt es in einer Resolution der Synode. Es müssten vor allem die armen Länder in den Blick genommen werden, die beim G-20-Gipfel am 7./8. Juli nicht vertreten sind. Kirchliche Gruppen sollten sich aber nur an friedlichen Aktionen beteiligen.

Die Kirche wolle den G-20-Gipfel nicht einfach ablehnen, sagte der Hamburger Propst Matthias Bohl bei der Vorstellung des Papiers. Die Bundesregierung sollte darin unterstützt werden, die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen global umzusetzen. Klimagerechtigkeit, der Kampf gegen Fluchtursachen und eine wirtschaftliche Stärkung Afrikas seien seit Jahrzehnten Ziele von Kirche und Diakonie, ergänzte Bischöfin Kirsten Fehrs.

Konkret geplant ist unter anderem ein ökumenischer Gottesdienst am 8. Juli in der Hauptkirche St. Katharinen. Das Interreligiöse Forum veranstaltet am Vorabend des Gipfels (6. Juli) in der Universität ein Friedensgebet mit Vertretern der Weltreligionen. Ausdrücklich unterstützt die Nordkirche den Civil20-Gipfel und den "Gipfel für globale Solidarität" im Vorfeld. Gemeinden der Nordkirche werden am 7. Juli zu Friedensgebeten einladen. (epd)