Piktogramme über die Gefühlswelt von Geflüchteten

In Bildern sprechen

Das Künstlerkollektiv „Migrantas“ entwickelt aus Zeichnungen von Flüchtlingen Piktogramme, die in einer Ausstellung gezeigt werden. Thema sind Gefühle und Probleme aus der Sicht Geflüchteter.

Das Künstlerkollektiv „Migrantas“ erarbeitet aus Zeichnungen von Geflüchteten Piktogramme, die in Ausstellungen und auf Plakaten gezeigt werden.

Das Künstlerkollektiv „Migrantas“ erarbeitet aus Zeichnungen von Geflüchteten Piktogramme, die in Ausstellungen und auf Plakaten gezeigt werden.

von Werner Jürgens

Oldenburg. Ob die durchgestrichene Zigarette, die ein Rauchverbot signalisiert, oder das rennende Männchen mit dem Pfeil, der den nächstgelegenen Notausgang kennzeichnet – ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte. Nach diesem Prinzip versucht das Berliner Künstlerprojekt „Migrantas“, Wünschen, Sorgen und Nöten von Flüchtlingen Ausdruck zu verleihen.

Im Rahmen von Workshops werden gemeinsam mit Migranten Piktogramme erarbeitet, die später auf Plakaten in den Innenstädten und in einer Ausstellung zu sehen sind – im August gibt es hierzu verschiedene Workshops. Die Initiative, die 2011 mit dem Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz ausgezeichnet wurde, war zuvor neben Berlin schon in Hamburg, Köln und Darmstadt aktiv.

Piktogramme überwinden Sprachbarrieren

Nun ist auch Oldenburg dran. Neun Workshops sind geplant – an Orten wie Begegnungszentren der Gemeinwesenarbeit oder des Deutschen Roten Kreuzes in der Stadt, vormittags oder nachmittags jeweils drei Stunden. Die entwickelten Piktogramme werden danach auf Werbeflächen in der Oldenburger Innenstadt gezeigt und sind für einen Monat auch in einer Ausstellung im Bürgerbüro Mitte, Pferdemarkt 14, zu sehen.

Ein Beispiel aus der bisherigen Arbeit ist das Piktogramm einer Frauenfigur mit blauem Kopftuch und einem freundlich grinsenden roten Mund. „Keine Terroristin“ steht unter dem Bild. Vorlage dafür sei eine Strichzeichnung gewesen, mit der eine Migrantin sich dagegen wehre, als Feindin abgestempelt zu werden, nur weil sie für manche fremd und anders aussieht, erklärt Marula Di Como von „Migrantas“.

„Unsere Piktogramme sind eine Art Synthese der Aussagen, die die Migranten in den Workshops artikulieren“, formuliert sie den Grundgedanken ihres Konzeptes. „Sie sollen kurz und knapp auf den Punkt bringen, was die Menschen fühlen und erleben, indem sie eine konkrete Botschaft formulieren und so letztlich eine eindeutige, unmissverständliche Sprache sprechen“, sagt Di Como.

Das Gefühl des Fremdseins bleibt

Die gebürtige Argentinierin und Wahl-Berlinerin weiß, wovon sie redet. Das Ganze geht zurück auf ein Projekt, mit dem sie, unterstützt von ihrer Landsfrau, der Grafikerin Florencia Young, zunächst ihr eigenes Fremdsein in einem anderen Land thematisierte. „Ich denke, man fühlt sich immer ein bisschen fremd, wenn man nicht zu 100 Prozent irgendwo hingehört“, ergänzt Florencia Young, die wie Marula Di Como, seit 2002 in Berlin lebt.

Um Missverständnisse und Vorurteile aus dem Weg zu räumen, ist und bleibt eine vernünftige Kommunikation unabdingbar. Und in dem Zusammenhang können Piktogramme ausgesprochen hilfreich sein. Viele Frauen, die beispielsweise aus dem arabischen Raum nach Deutschland kommen, seien oft allein schon deswegen benachteiligt, weil sie aufgrund gesellschaftlicher Isolation entweder gar nicht oder die lateinische Schrift nicht lesen können. Daher richten sich einige der „Migrantas“-Workshops auch ausschließlich an Frauen.

Die Teilnahme ist kostenfrei, die Plätze sind begrenzt. Anmeldungen nimmt die Stadt bis Mittwoch, 21. August, unter Telefon 0441/235 44 44 oder per E-Mail an servicecenter@stadt-oldenburg.de entgegen.

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