In vielen Regionen weltweit ist sauberes Wasser Mangelware. Im Iran etwa herrscht epochale Wasserknappheit. Laut einer UN-Studie steht die Welt vor einem “Wasserbankrott”. Ein Weckruf.
Viele der Teile der Welt stehen nach einer Studie der Universität der Vereinten Nationen vor einem “Wasserbankrott”. Sinkende Grundwasserstände, schmelzende Gletscher sowie der Verlust von Flussauen und Feuchtgebieten trügen dazu bei, dass Teile des globalen Wasserkreislaufs bereits unumkehrbar geschädigt seien, heißt es in dem in dieser Woche veröffentlichten Fachartikel in der Zeitschrift “Water Resources Management”.
Als Hotspots nennt der Report den Nahen Osten sowie Teile Südasiens. Dort seien die Grundwasserspiegel infolge intensiver landwirtschaftlicher Nutzung und fortschreitender Urbanisierung dauerhaft gesunken. Der Klimawandel verschärfe diese Entwicklungen. Dem Bericht zufolge leben rund drei Milliarden Menschen in Regionen mit rückläufigen Wasserressourcen, während zugleich mehr als 50 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion in diesen Gebieten stattfinden. Über die Hälfte des häuslichen Wasserverbrauchs und mehr als 40 Prozent des zur Bewässerung genutzten Wassers stammten heute aus Grundwasser. Dadurch sänken die Pegel immer weiter und die Böden sackten ab.
Die Universität der Vereinten Nationen ist die Denkfabrik der UNO. Sie hat ihren Hauptsitz in Shibuya bei Tokio sowie drei Außenstellen in Paris, Bonn und New York.
Der Hauptautor und iranische Umweltwissenschaftler Kaveh Madani macht deutlich, dass zahlreiche Gesellschaften nicht nur ihre jährlichen “Einnahmen” aus Wasserzufuhren in Flüssen, Böden und Schneedecken überschritten hätten, sondern auch langfristige “Reserven” in Grundwasserleitern, Gletschern und anderen natürlichen Speichern aufgebraucht seien. Deshalb seien Begriffe wie “Wasserkrise” oder “Wasserstress” nicht mehr ausreichend, da sie potenziell umkehrbare Zustände suggerierten.
Doch auch in Deutschland mehren sich die Alarmzeichen, wie die vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie “Every Drop Counts – Pathways to Restore Germany’s Water Balance” (Jeder Tropfen zählt – Pfade für ein neues Gleichgewicht in Deutschlands Wasserbalance) des Naturschutzbundes NABU und der Boston Consulting Group zeigt. Jahrzehntelang galt die Bundesrepublik als wasserreich und -sicher. Doch seit Anfang der 2000er Jahre habe das Land rund 60 Milliarden Kubikmeter aus Grundwasser und Wasserspeichern verloren. Das entspricht dem Volumen des Bodensees, heißt es.
Entwässerung, verdichtete Böden und naturferne Wälder verstärken laut Studie die Dürre- und Flutrisiken gleichermaßen. Sie verhinderten, dass ausreichend Niederschlagswasser in der Landschaft versickere, um als Bodenfeuchte gespeichert zu bleiben und Grundwasserreservoirs aufzufüllen. Gleichzeitig erhöhen mehr Starkregenfälle und längere Trockenphasen den Rückgang des Grundwassers weiter.
Das Resultat der Studie: Deutschland verliert mehr Wasser, als seine Systeme auf natürliche Weise regenerieren können. Ohne wirksames Gegensteuern drohen durch den Wasserverlust Kosten von 20 bis 25 Milliarden Euro jährlich bis 2050, warnen die Wissenschaftler.
Auf noch einen anderen Zusammenhang weist die UN-Studie hin: Deutschland nutze zwar im Schnitt nur rund zehn Prozent seines Wasserdargebots. “Dennoch tragen wir wesentlich dazu bei, die planetare Grenze für Süßwasser zu überschreiten”, sagt die Hydrologin Rike Becker vom Imperial College London. Denn über 80 Prozent des Wasserverbrauchs der Bundesbürger sei “importiertes Wasser”, etwa durch Kleidung oder Nahrungsmittel aus anderen Ländern, vor allem aus Indien, Pakistan und Ägypten.
Was kann man tun? Thomas Riedel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wasserforschung in Mülheim an der Ruhr, warnt vor Resignation. “Ich denke, es ist wichtig, die Erfolgsstories zu erzählen”, sagt er. So seien die Niederlande ein Beispiel dafür, dass der nachhaltige Umgang mit Wasser seit Jahrhunderten etabliert sei. In Kalifornien und Australien sei in den vergangenen Jahrzehnten viel in die Wasserinfrastruktur investiert worden.
Und Becker verweist auf “zahlreiche lokale Lösungsansätze, die belegen, dass ein nachhaltiger Umgang mit Wasserressourcen und eine Umkehrbarkeit kritischer Lagen zumindest in Teilen möglich ist”. Als Beispiele nannte sie umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen, die Wiedervernässung von Feuchtgebieten, die Nutzung traditioneller historischer Wasserspeicher- und Bewässerungssysteme, Regenwasserrecycling, gesteuerte Grundwasseranreicherung, strengere Wasserentnahmevorgaben sowie eine effizientere Wassernutzung.