Gedanken zu einem maritimen Friedenseinsatz im Nahen Osten

Sehnsucht nach Frieden

In Limassol auf Zypern befindet sich eine Militärbasis, die Teil der Unifil-Misssion im Mittelmeer ist. Eine Bronzestatue am Rande der Stadt inspirierte Militärpfarrer Christian Moritz zu diesem Text.

Die Bronzestatue am Stadtrand von Limassol steht stellvertretend für die Sehnsucht nach Frieden auf der Insel Zypern

von Christian Moritz

Limassol. Zu den zentralen Aufgaben der Militärseelsorge gehört die Begleitung der Soldaten im Auslandseinsatz. Seit 2006 ist die Deutsche Marine Teil der Maritime Task Force der Vereinten Nationen und überwacht gemeinsam mit Schiffen und Booten anderer Nationen den Seeraum vor der libanesischen Küste, um möglichen Waffenschmuggel zu unterbinden.

Sie sind Teil der Unifil-Mission, die ihren Hauptsitz im libanesischen Naqura hat. Unifil steht für United Nations Interim Force in Lebanon. Unterstützt und versorgt wird die deutsche Einsatz-Korvette von einer eigenen Marinebasis, dem Camp Castle im Hafen von Limassol auf Zypern.

Geteilte Hauptstadt

Seit 1974 ist die Insel Zypern mit ihrer Hauptstadt Nikosia geteilt. Die Demarkationslinie zwischen den Konfliktparteien wird ebenfalls im Rahmen einer Friedensmission von UN-Soldaten überwacht. Die Sehnsucht nach Frieden ist auf beiden Seiten dieser Begrenzung groß. Das kommt auch in einer großen Bronzestatue zum Ausdruck, die sich am Stadtrand von Limassol befindet.

Fast jeder kennt als Friedenssymbol die weiße Taube, die einen Olivenzweig im Schnabel trägt. Weniger bekannt ist vielleicht der biblische Ursprung dieses Motivs: In der Geschichte von Noah und seiner Arche steht es als Zeichen dafür, dass nach einer Flutkatastrophe nun wieder ein Leben auf der Erde in Sicherheit und Frieden möglich ist. Wer diese Geschichte selbst einmal nachlesen möchte, findet sie im 1. Teil der Bibel, im 1. Buch Mose, Kapitel 6-9.

Die bronzene Skulptur in Limassol zeigt gleich zwei Friedenstauben. Sie befinden sich im Landeanflug auf zwei Aststümpfe eines Olivenbaums. Ein eindrückliches Bild, das vielleicht so interpretiert werden kann: Der Olivenbaum symbolisiert die ungeteilte Insel Zypern. Seine Verzweigung in die beiden Äste verweist auf die beiden hier lebenden Bevölkerungsgruppen, Griechen und Türken. Und die fehlende Baumkrone stellt dar, dass durch ein einschneidendes Ereignis blühendes Leben abgeschnitten worden ist. Die beiden Friedenstauben stehen dafür, dass sich beide Bevölkerungsgruppen Zyperns Frieden wünschen. Das Zeichen dafür sind die beiden Olivenzweige, die die Tauben im Schnabel tragen.

Als Kriege ruhten

Einen Kranz aus Olivenzweigen bekamen bereits in der Antike die Sieger der Olympischen Spiele überreicht. Damals war es Brauch, dass während der Dauer der Spiele alle kriegerischen Handlungen ruhten. So wurden die zu einem Kranz zusammen gebundenen Olivenbaumzweige zu einem Symbol des Friedens. Als solches sind sie auch Bestandteil der Flagge Zyperns und der Flagge der Vereinten Nationen. In der zyprischen Flagge bringen sie den Wunsch der Menschen nach einer im Frieden geeinten Insel zum Ausdruck. In der Flagge der Vereinten Nationen stehen sie für das Ziel eines dauerhaften Friedens für alle Völker dieser Erde.

Der Gedanke, dass dort, wo Unfrieden blühendes Leben zerstört hat, wieder neuer Friede wachsen kann, wenn sich Menschen unabhängig von Religion und Herkunft in friedlicher Absicht einander annähern, findet sich auch in dem Friedensdenkmal von Limassol wieder. Denn bei genauem Hinsehen erkennt man, dass aus den Stümpfen neue Zweige wachsen. Darin kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass eine neue Generation diesen alten Baum wieder zu neuer Blüte bringen wird.

Neues Leben

Mich erinnert das an ein biblisches Hoffnungswort aus dem Buch des Propheten Jesaja. Dort heißt es (Kapitel 42, Vers 3): „Gott wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

Die Hoffnung auf Frieden und neues Leben ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. UN-Soldaten sorgen mit ihrem Einsatz dafür, dass er eine Chance hat, sich auch dort zu entwickeln, wo er von außen noch bedroht wird.

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