Kirchliches Rettungsschiff in Palermo

Sea-Eye 4 festgesetzt – weil sie zu viele Menschen rettet

Im Hafen von Palermo sitzt das Schiff fest. Die Begründung der italienischen Küstenwache für die Festsetzung klingt in den Augen der Retter "grotesk".

Die „Sea-Watch 4“ ist das zweite Bündnisschiff von „United4Rescue“.

Die "Sea-Eye 4" wurde in Palermo festgesetzt.

Regensburg/Rostock/Palermo. Das Seenotrettungsschiff Sea-Eye 4 ist von Inspekteuren der italienischen Küstenwache in Palermo festgesetzt worden. Als Grund für die Festsetzung sei auch angeführt worden, dass die Rettungsschiffe regelmäßig zu viele Menschen vor dem Ertrinken retteten und für diesen humanitären Zweck falsch zertifiziert seien, erklärt der Vorsitzende des Vereins Sea-Eye, Gorden Isler.

Diese Begründung sei „grotesk“. Wie bereits bei anderen zivilen Rettungsschiffen würden nun auch bei der „Sea-Eye 4“ die gleichen technischen Gründe angeführt, um weitere Einsätze des Schiffes zu stoppen, sagte Isler. „Unser Kapitän ist der Pflicht zur Seenotrettung vorbildlich nachgekommen. Er hat Seenotfälle gesehen und eine sichere Rettung durchgeführt.“

In Rostock umgebaut

Die Sea-Eye 4 war am 8. Mai zu Ihrer ersten Mission im Mittelmeer aufgebrochen. Zuvor hatten Freiwillige das 48 Jahre alte ehemalige Versorgungsschiff in Rostock sechs Monate lang zum Rettungsschiff umgebaut.


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Inzwischen sind vier Rettungsschiffe unter deutscher Flagge von Italien festgesetzt worden: Die Alan Kurdi, die Sea-Watch 3, die Sea-Watch 4 und nun auch die Sea-Eye 4. Die Sea-Eye 4 rettete nach eigenen Angaben auf ihrer ersten Rettungsmission 408 Menschen, darunter 150 Kinder. Die geretteten Menschen konnten in Pozzallo auf Sizilien an Land gehen, nachdem die Sea-Eye 4 zuvor mehrere Tage einen sicheren Hafen gesucht hatte.

Wie auch die Sea-Watch 4 der gleichnamigen Organisation wird die Sea-Eye 4 vom Bündnis United4Rescue unterstützt, das unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) getragen wird.

An Bord der ersten Mission war auch der Hamburger Journalist und Moderator Tobias Schlegl (44), der ausgebildeter Notfallsanitäter ist. Er berichtete in seinem Podcast „2Retter1Mikro“ von dem Einsatz. (epd)

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