500 Jahre Reformation

Schlosskirche Wittenberg feiert Wiedereinweihung mit Königin Margrethe II

Die weltberühmte Schlosskirche zu Wittenberg ist die Wiege der Reformation und strahlt nach aufwendiger Renovierung im neuen Glanz. In einem Festgottesdienst mit der dänischen Königin Margrehte II wurde sie wiedereröffnet.

Die dänische Königin Margrethe II. winkt vom Balkon des Wittenberger Rathauses, wo sie sich in das Goldene Buch der Lutherstadt eingetragen hatte. Foto v.l.: der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Königin Margrethe, der Präsidiumsvorsitzende der Union Evangelischer Kirchen (UEK), der Ministerpraesident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU) und der Wittenberger Oberbürgermeister Torsten Zugehoer.

Wittenberg. Mit einem Festgottesdienst ist die restaurierte Schlosskirche in Wittenberg offiziell wiedereröffnet worden. Damit erstrahlt das weltbekannte Gotteshaus vor dem Start in das Festjahr zu 500 Jahren Reformation in neuem Glanz. An einer Tür der Kirche soll Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 kirchenkritischen Thesen angeschlagen haben. Zur Wiedereröffnung am Sonntag waren unter anderen Bundespräsident Joachim Gauck und die dänische Königin Margrethe II. in die Lutherstadt gekommen. Die vierjährige Sanierung der 1503 eingeweihten Schlosskirche kostete rund 7,8 Millionen Euro. Daran beteiligt waren das Land Sachsen-Anhalt, der Bund und private Spender.

"Wie eine gesegnetet Ernte"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte zu Beginn des Erntedank-Gottesdienstes, nun könnten neben den Gemeindemitgliedern auch Besucher aus aller Welt diesen "kraftvollen Ort" ganz persönlich erleben. Wenn in wenigen Tagen das 500. Reformationsjubiläum eingeläutet werde, liege die Lutherstadt Wittenberg "im Herzen Europas", sagte der bayerische Landesbischof.
In seiner Predigt zum Erntedankfest sagte der Vorsitzende des Präsidiums der Union Evangelischer Kirchen in der EKD, der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad: "Wie eine gesegnete Ernte nehmen wir die Wittenberger Schlosskirche nach ihrer Restaurierung von den Bauleuten wieder in Empfang."

Ein Ort der Weltgeschichte schrieb

Bundespräsident Gauck sagte, die Kirche habe "eine lange und wechselvolle Geschichte von ihren Anfängen im Mittelalter bis zur von Kaiser Wilhelm II. eröffneten Neogotik und darüber hinaus". Die Thesentür der Schlosskirche erinnere "an das unscheinbare Ereignis einer akademischen Disputation, das Weltgeschichte ausgelöst hat".
Luther hatte einer unbestätigten Überlieferung zufolge seine Thesen unter anderem gegen den kirchlichen Ablasshandel an die Tür angeschlagen, um sie zur Diskussion zu stellen. Dieses Ereignis gilt heute als zentraler Ausgangspunkt der weltweiten Reformationsbewegung. Das Festjahr zu 500 Jahren Reformation wird in vier Wochen, am 31. Oktober dieses Jahres, eröffnet. In der Schlosskirche, die seit 1997 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, befindet sich auch Luthers Grabstätte.

Antependium mit großer Lutherrose

Die Königin von Dänemark hatte als Geschenk zur Wiedereröffnung der Kirche einen roten Altarbehang gefertigt, der im Gottesdienst erstmals öffentlich präsentiert wurde. Zwischen der dänischen Königsfamilie und Wittenberg gibt es seit der Reformation gute Beziehungen. Dänemark führte die Reformation 1536 ein. Königin Margrethe ist Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Volkskirche in Dänemark.
Die Monarchin sagte, die Bitte, das Antependium für die Schlosskirche zu fertigen, sei eine "sehr große und freudige Überraschung" gewesen, der sie erst nach einem Zögern nachgekommen sei. "Diese Aufgabe war eine große Herausforderung, der ich mich mit großem Respekt gewidmet habe", betonte sie. Der Altarbehang trägt in der Mitte eine große Lutherrose. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) betonte, für sein Land sei das Reformationsjubiläum "eine großartige Möglichkeit, sich international als Land der Reformation zu präsentieren und zu profilieren". Das Jubiläum solle "zukunftsorientiert, aufgeschlossen und ökumenisch gefeiert werden".

Anschließend übernahm die dänische Königin die Baumpatenschaft für eine Blumenesche im Luthergarten in Wittenberg. Die symbolische Baumpflanzung war die 338. im Luthergarten, einem internationalen ökumenischen Projekt des Lutherischen Weltbundes (LWB). Der Baum, der schon länger in dem Garten wächst, wurde von der Königin noch einmal mit Erde angehäuft und angegossen. Er steht in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Baum, für den das schwedische Königshaus am kommenden Wochenende die Patenschaft übernehmen soll. Der schwedische König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia werden dann als Staatsgäste in Wittenberg erwartet. Insgesamt sollen einmal 500 Bäume im Luthergarten stehen. (epd)

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