Die Evangelische Kirche im Rheinland hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld aus der Kirchensteuer eingenommen als erwartet. Der sogenannte Verteilbetrag wuchs 2025 gegenüber dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 802 Millionen Euro, wie Finanzchef Henning Boecker am Samstag vor der rheinischen Landessynode in Bonn mitteilte. Das sei eine sehr gute Nachricht, keine andere der 20 Landeskirchen in Deutschland erreiche auch nur annähernd eine solche Steigerung.
Boecker führt das starke Einnahme-Plus von 57 Millionen Euro überwiegend auf Einmaleffekte zurück. Fast das gesamte Mehraufkommen stamme aus den drei Kirchenkreisen Düsseldorf, Leverkusen und Koblenz. Als Reaktion auf angekündigte US-Zölle hätten sehr wohlhabende Menschen in großem Stil Aktien verkauft und aus dem amerikanischen in den deutschen Markt geschoben, sodass entsprechende Kapitalertragssteuern anfielen. Allein in den Monaten Februar bis April 2025 seien so rund 30 Millionen Euro Kirchensteuern mehr eingenommen worden, insgesamt wuchsen die Einnahmen aus diesem Bereich 2025 um fast 60 Prozent.
„Das werden wir so nicht wieder erleben“, betonte Boecker. Ein weiterer Sondereffekt seien Einnahmen von 10,2 Millionen Euro durch sogenannte Clearing-Zahlungen. Bei diesem Verfahren werden Steuergelder gegenseitig ausgeglichen, die nach dem Wohnsitz-Prinzip anderen Landeskirchen zustehen. Die Einnahmen der rheinischen Kirche aus der Lohn- und Einkommensteuer als wichtigster Finanzquelle wuchsen 2025 wie prognostiziert lediglich um 1,8 Prozent. Für die nächsten fünf Jahre erwartet Boecker ein gleichbleibendes Kirchensteueraufkommen, danach werde es langfristig sinken.
Bei der Ruhestandsversorgung für die pensionierten Pfarrer und Kirchenbeamten einschließlich der Beihilfe für Gesundheitskosten wird das Ziel einer Kapitaldeckung von 70 Prozent bis 2030 nach Boeckers Einschätzung erreicht. Die Umlage für die Ruhestandskosten wurde in diesem Jahr von 18 auf 23 Prozent erhöht – fast jeder vierte Kirchensteuer-Euro fließt damit in die Versorgungskasse.
Die Landessynode der rheinischen Kirche befasst sich bei ihrer bis Dienstag dauernden Tagung mit Haushaltskürzungen von 31,8 Millionen Euro. Am Montag will das Kirchenparlament über die vorgeschlagenen Maßnahmen befinden. Ein Haushaltsbeschluss steht nicht auf der Tagesordnung, weil vergangenes Jahr ein Doppelhaushalt für 2025 und 2026 beschlossen wurde.