Buch-Tipp der Woche

Mitten in der Wildnis

Wunderbar plastisch erzählt Jocelyne Saucier in "Ein Leben mehr" von drei alten Männern, die sich in die kanadischen Wälder zurückgezogen haben. 

von Frank Keil

Sie hat sich durchgeschlagen, die junge Fotografin aus der Stadt. Sie will zu den großen Waldbränden weit vor dem Krieg recherchieren, die damals nur wenige überlebt haben. Es sind knochenharte Männer wie Charlie, Ed und Ted, die sich zurückgezogen haben in Holzhütten, wo sie dem Winter trotzen und sich auf das Frühjahr und den Sommer freuen.

Nun also sitzt die junge Fotografin bei Charlie in der Hütte, will ihn befragen, will ihn kennenlernen. Aber wo soll sie danach übernachten, hier draußen in der Wildnis? Wo nebenan Tom wohnt, der seinen Hund „Drink“ nennt, in Erinnerung an Zeiten, wo Tom das Leben nur mit sehr viel Alkohol ertragen konnte. Und nebenan wiederum wohnt Ted, der Maler. Der Bilder malt, die niemand zu sehen bekommt.

Es ist nicht nur die Szenerie, die einen sofort gefangen nimmt. Es ist auch die Sprache, die Saucier nutzt, die eine eigene Lebendigkeit erzeugt, sodass man das Gefühl hat, man ist unmittelbar dabei, wenn Charlie der jungen Frau ein Bett aus all den Fellen baut, die er erjagt hat. Wunderbar plastisch und zuweilen unerschrocken realistisch erzählt Jocelyne Saucier von so unterschiedlichen wie eigensinnigen Leben. Und am Ende halten wir ein Buch in der Hand, das uns sehr wach zurücklässt.

Jocelyne Saucier: Ein Leben mehr.
Insel 2017, 192 Seiten

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