Neue Regionalbischöfin Adelheid Ruck-Schröder für Hildesheim-Göttingen

Mit Leidenschaft und Teamgeist

Am kommenden Sonnabend wird die 55-Jährige in ihr neues Amt eingeführt. Porträt einer Theologin, die zuhören und möglich machen will.

Adelheid Ruck-Schröder

von Julia Pennigsdorf

Hildesheim. Adelheid Ruck-Schröder liebt Gärten – und das Bild des Gartens passt gut zu ihrem Selbstverständnis als neue Regionalbischöfin des Sprengels Hildesheim-Göttingen. „Mir geht es darum, etwas neu zu gestalten, aber auch darum, zu gießen, zu hegen und zu pflegen und zu ernten, was bereits in der Vergangenheit angelegt wurde“, sagt sie.

An diesem Samstag, 17. Juli, wird Ruck-Schröder offiziell in ihr neues Amt als Regionalbischöfin eingeführt. Zuvor war sie sechs Jahre lang als Studiendirektorin des Predigerseminars der Landeskirche Hannovers im Kloster Loccum für die Ausbildung der angehenden Pastoren verantwortlich. Die 55-Jährige tritt die Nachfolge von Eckhard Gorka an, der im Februar in den Ruhestand gegangen ist. Ruck-Schröder ist mit dem Göttinger Theologieprofessor Bernd Schröder verheiratet, sie tanzt leidenschaftlich gern mit ihrem Mann und liebt es, „im Schwimmbad mal buchstäblich abzutauchen und viele Bahnen zu ziehen, weil das wie ein Zu-sich-Kommen ist“. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder. Der 24-jährige Sohn studiert Jura, die drei Jahre jüngere Tochter Medizin.

Herzens-Thema Ökumene

Für ihre Leitungsaufgabe im Sprengel Hildesheim-Göttingen, dem rund 460.000 evangelische Christen in Südniedersachsen angehören, hat sich Ruck-Schröder viele Ziele gesetzt: Die Ökumene, die in Hildesheim als katholischem Bistumssitz naturgemäß ein zentrales Thema ist, liegt ihr am Herzen, ebenso der Dialog mit dem Judentum und dem Islam. Aber auch den Kontakt zu anderen gesellschaftlichen Akteuren, vom Handwerk bis zur Kultur, will die im baden-württembergischem Bietigheim geborene Theologin voranbringen.

Adelheid Ruck-Schröder (li.) kümmerte sich bislang um die Vikarsausbildung im Predigerseminar Loccum Archivfoto: Jens Schulze / epd

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass die neue Regionalbischöfin dafür ein Händchen haben wird. Ruck-Schröder wirkt im Gespräch herzlich-zugewandt, zugleich aber auch nachdenklich und behutsam. Das Zuhören scheint ihr mindestens ebenso wichtig wie das Darlegen eigener Ideen und Positionen. Ein offener Geist, Neugier und Aufgeschlossenheit sind ihr wichtiger als eine vorgefertigte Agenda: „Ich möchte meine neue Tätigkeit maximal offen angehen.“


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Ihre Gymnasialzeit verbrachte Ruck-Schröder an den württembergischen Seminaren in Maulbronn und Blaubeuren. Es folgten das Theologiestudium in Tübingen und an der Berliner Humboldt-Universität, die Promotion sowie die Vikariatszeit in Halle an der Saale und im westfälischen Münster. Nach einer Zeit als Gemeindepastorin trat sie eine Stelle als Berufsschulpfarrerin in Saarbrücken an. Eine Zeit, die sie als Bewährungsprobe empfand: „Es war herausfordernd, mit jungen Leuten zu arbeiten, die so wenig kirchlich sozialisiert waren.“ Diese Erfahrungen, so sagt Ruck-Schröder, wirkten bis heute nach. Sie seien für sie ein Auftrag, „auch jene in den Blick zu nehmen, die nicht oder noch nicht zu Kirche gehören, und ihre Meinung zu hören, mit ihnen in einen Dialog zu kommen“.

Feuer für den Glauben

Wie können Christen in der Gesellschaft eine wichtige Stimme sein? Wie gelingt es, die biblischen Geschichten in die Gegenwart zu übertragen? Für Ruck-Schröder sind das zentrale Fragen. Das Christentum habe starke Narrative zu bieten, die bis heute nichts an Brisanz eingebüßt hätten. „Aber wir haben nicht zuletzt durch die sozialen Medien mächtige Gegenerzählungen.“ Durch die enorme Konkurrenz um Aufmerksamkeit drohe die christlich-jüdischen Tradition weiter ins Abseits zu geraten.

Das Feuer für den Glauben neu entfachen, die Kirche von der Basis aus denken, die Menschen „am Schatz des Glaubens teilhaben lassen“: Das liegt Ruck-Schröder am Herzen. Viele Jahre hat sie das Wort zum Sonntag in der ARD gesprochen, noch immer ist sie Autorin und Sprecherin von Morgenandachten im NDR. „Man muss auf den Punkt sein, sich seine Worte genau überlegen, um auch die zu erreichen, die nichts mit Kirche zu tun haben“, beschreibt Ruck-Schröder die Besonderheiten dieser Aufgabe.

Rezept gegen sinkende Mitgliedszahlen

In ihrer neuen Rolle möchte die Theologin „Rückenstärkung für dringend notwendige Veränderungsprozesse“ in der Kirche geben. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und unbesetzter Pfarrstellen müssten Pfarrämter regionaler und kollegialer gedacht werden. Gerade in ländlichen Gebieten sei es sinnvoll, kirchliche Orte zu schaffen, in denen Haupt- und Ehrenamtliche sowie alle kirchlichen Berufsgruppen wie Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, auf neue Weise gemeinschaftlich wirkten: „Wir müssen teamorientiert denken.“ (epd)

Info
Die Amtseinführung von Adelheid Ruck-Schröder findet am Samstag, 17. Juli, um 14 Uhr in der St.-Michaelis-Kirche statt und wird hier live gestreamt.

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