Bescheiden und freundlich - so erlebten viele Gläubige ihren Limburger Bischof Franz Kamphaus, als er Anfang der 1980er dort antrat. Der Theologe konnte aber auch stur für seine Überzeugungen eintreten. Bis zuletzt lebte Kamphaus seit seiner Emeritierung 2007 im St. Vincenzstift in Rüdesheim-Aulhausen mit geistig und körperlich behinderten Menschen zusammen. Er verstand sich als ihr Mitbewohner und Seelsorger, und sie liebten ihn dafür. Am Montag ist Kamphausen im Alter von 92 Jahren gestorben.
Trotz eines Tremors, der seine Hände und Stimme zittern ließ, hielt der Altbischof in Aulhausen auch im hohen Alter noch regelmäßig Gottesdienste und schrieb. 2014 erschien ein Lesebuch zum Glauben „Mach's wie Gott, werde Mensch“, 2018 ein Buch über die Bergpredigt „Wenn der Glauben konkret wird“. Der sprachgewandte Kamphaus war ein begabter Ausleger der Bibel: Zwischen 2016 und 2023 erschienen drei Bände mit Kommentaren zum Matthäus-, Markus- und Lukas-Evangelium als Lesebücher für jedermann: Als Letztes erschien 2023 „Der Unbekannte aus Nazaret. Inspirationen zum Markus-Jahr“.
Der junge Franz Kamphaus will Pastor werden
Kamphaus wird 1932 im münsterländischen Lüdinghausen geboren. Dort wächst er auf einem großen Bauernhof auf. Als der Krieg kommt, schicken die Eltern ihr fünftes Kind lieber ins abgelegene Sauerland. Das städtische Gymnasium in Attendorn wird von einem strammen Nazi geleitet. In einem Brief an seine Mutter berichtet Kamphaus, wie ihn der Schulleiter im militärischen Ton nach seinem Berufswunsch fragt. „Ich werde Pastor“, sagt Kamphaus. Der Direktor ist außer sich: „Du bist ja verrückt!“ Der junge Franz beharrt: „Ich werde Pastor.“Kamphaus wird zunächst Priester, dann Professor für Pastoraltheologie und Predigtlehre, schließlich Leiter des Priesterseminars im Bistum Münster. Er vertritt die Auffassung, dass Amtsträger der Kirche sich kritisch vom Evangelium befragen lassen müssen. So sagt er 1969 anlässlich der Bischofsweihe des Bischofs von Münster, Heinrich Tenhumberg (1915-1979): „Die Kirche ist weder der Mittelpunkt des Heils, noch darf sie sich mit der Herrschaft Gottes gleichsetzen.“ Als „Stimme des Rufers“ habe sie nicht sich, sondern Gott zu Gehör zu bringen.Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
