Jubel in Argentinien, Mahnung aus Brasilien, Sorge auf Kuba – Die US-Militäraktion gegen Venezuela ruft in Lateinamerika sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. Doch auch Maduro-Gegnern kommen langsam Zweifel.
Während Venezuelas ehemaliger Machthaber Nicolás Maduro in New York auf seinen Prozess wegen Drogenhandels wartet, beginnen sich in Lateinamerika die Frontlinien zwischen den Befürwortern und den Gegnern der US-Militäraktion abzuzeichnen. Klar hinter das US-Vorgehen stellt sich der libertäre Präsident Argentiniens, Javier Milei. Er plant laut einem Bericht von CNN ein Bündnis ähnlich gesinnter Regierungen zu schmieden, das sich als antisozialistisch definiert. Scharfe Kritik kam dagegen von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der vor einer gefährlichen Eskalation der Lage in Venezuela warnt.
Im ganzen Doppelkontinent von Miami bis Buenos Aires gingen Zehntausende Venezolaner auf die Straße, um die Verhaftung Maduros zu feiern. Sie fordern einen politischen Neuanfang in Venezuela und eine Machtübergabe an den eigentlichen Wahlsieger der Präsidentschaftswahlen 2024, Edmundo González. Der könnte dann gleich Neuwahlen ausrufen und einen freien, transparenten Urnengang organisieren. Aus dem würde laut Umfragen dann Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado als mutmaßlich neue Präsidentin hervorgehen.
Inzwischen ist die Jubelstimmung aber Besorgnis gewichen. Zwar ist mit Maduro ein Diktator von den Schalthebeln der Macht entfernt worden, aber der Machtapparat dahinter sitzt fest im Sattel. Die Exil-Venezolanerin Katiuska Villegas aus Texas sagte der Zeitung “El nuevo Herald” in Miami: “Die Menschen feiern, dass Maduro gefasst wurde, aber Rodríguez regiert weiterhin.” Delcy Rodríguez, bisherige Vizepräsidentin, wurde von der US-Regierung zuvor als Interimslösung akzeptiert. “Was genau feiern wir also?”
Die US-Administration scheint indessen derzeit keine Eile mit einer Machtübergabe und Neuwahlen zu haben. Rodríguez soll für einen geordneten Übergang sorgen, gehört aber zu jenem engen Zirkel Maduros, dem schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Zudem warnte US-Präsident Donald Trump die Interimspräsidentin bereits, ihr könne Ähnliches oder noch Schlimmeres widerfahren wie dem entmachteten Maduro, sollte sie Entscheidungen treffen, die den US-Interessen entgegenstehen.
Auch die lateinamerikanische Kirche verfolgt die Ereignisse mit großem Interesse. Der mexikanische Menschenrechtsbischof Raúl Vera López warnte vor den Risiken, die die Eskalation der Gewalt für den Frieden in Lateinamerika, einschließlich Mexiko, mit sich bringt. Die Bombardierungen seien “schreckliche Nachrichten” für die Region. Die Militäraktion sei ohne Zustimmung des US-Kongresses durchgeführt worden, was ihre Legitimität in Zweifel ziehe. Boliviens Bischofskonferenz verurteilte “jede unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt”. Es müsse mit Gottes Hilfe der Weg des Dialogs, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Achtung der Menschenwürde gefunden werden.
Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel kritisierte das Vorgehen der USA scharf und warf Washington faschistischen Imperialismus vor. Die kommunistisch regierte Karibikinsel erlebt derzeit ihre schwerste volkswirtschaftliche Krise. Venezuelas Öllieferungen sind für Havanna unverzichtbar und könnten nun dauerhaft ausfallen. “Ich weiß nicht, wie sie sich über Wasser halten wollen, sie haben keine Einnahmen”, sagte Trump mit Blick auf die Lage in Kuba und schloss eine Attacke aus. Kolumbiens linkspopulistischer Präsident Gustavo Petro forderte ein Eingreifen der Organisation Amerikanischer Staaten. Auch der demokratisch gewählte Politiker hat durch eine steigende Kokainproduktion in seinem Heimatland den Zorn der Amerikaner geweckt. Seine erste von zwei möglichen Amtszeit endet in diesem Jahr.