Altkanzler verstorben

Helmut Schmidt und sein Verhältnis zur Kirche

Hamburg. Seinen Glauben hat Helmut Schmidt immer zur Privatsache erklärt. Doch einem Historiker erzählte der verstorbene Altkanzler, wie er über Gott, Religion und seine eigene Trauerfeier dachte.

Helmut Schmidt bei einer Veranstaltung in Münster vor drei Jahren.

Helmut Schmidt hatte Zeit seines Lebens ein distanziertes Verhältnis zur Kirche und zum christlichem Glauben. Welch hohe Bedeutung dagegen Schmidt Religion und Kirche zubilligt, belegt eine Studie des Hamburger Historikers Rainer Hering. Der heutige Direktor des Landesarchivs Schleswig-Holstein hatte die Arbeit über das Verhältnis von Schmidt zu den Kirchen 2012 unter dem Titel "Aber ich brauche die Gebote" veröffentlicht. Schmidts Wunsch sei es gewesen, so heißt es, dass seine Trauerfeier nicht im Michel, sondern im Rathaus stattfinden soll. 
Hering hat sechs Jahre lang die Beziehungen Schmidts zu Kirche und Religion in Archiven und mit Hilfe persönlicher Gespräche untersucht. Damit stellte er eine kaum bekannte Seite des Alt-Kanzlers vor. Die Kirchen hätten die politische Geschichte der Bundesrepublik stärker beeinflusst, als dies bislang angenommen wurde, ist Herings Fazit. Schmidt, der zeitweise Synodaler der Hamburgischen Landeskirche war, habe sich als Politiker stark für eine Annäherung der SPD an die Kirchen eingesetzt.

Ein "Vaterunser" auf seiner Trauerfeier – das reichte ihm

Zu Fragen des persönlichen Glaubens hat sich Schmidt meist distanziert geäußert. "Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen", wurde zum bekannten Bonmot. Für ihn war christlicher Glaube "Privatsache". Er glaube nicht an ein Leben nach dem Tod, hatte Schmidt dem Historiker erklärt. Auch wünsche er bei seiner Beerdigung keine Ansprache eines Theologen. Ein "Vater Unser" würde genügen. Geschätzt habe er die Religion vor allem wegen ihrer Vermittlung von gesellschaftlichen Werten, so Hering. Sein Blick habe sich dann Ende der 80er Jahre auf die Weltreligionen und deren Bedeutung für den Weltfrieden erweitert.
Als Gottesdienstbesucher waren weder Helmut noch Loki Schmidt in der Langenhorner Zachäus-Kirchengemeinde bekannt. Bleibende Erinnerung ist jedoch eine holzgeschnitzte Weihnachtskrippe, die das Ehepaar der Gemeinde vermachte. Weihnachten 1983 hatte Schmidt das besondere Geschenk vom DDR-Staatsratsvorsitzenden und SED-Parteichef Erich Honecker erhalten. Die geschnitzte Krippe aus dem Erzgebirge zeigt Maria, Josef und das Krippenkind sowie zwei Hirten, drei Schafe und drei Könige. Weil Loki Schmidt den Eindruck hatte, dass das Reihenhaus in Langenhorn keinen Platz dafür hatte, schenkte sie die Krippe ein Jahr später ihrer Gemeinde, die sie seitdem regelmäßig im Advent zeigt.

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