Die evangelische Kirche schließe keine Menschen aus, sagt Synoden-Präses Anna-Nicole Heinrich. Kirchliche Ämter könne jedoch nur bekleiden, wer die Menschenwürde wahre.
Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, lehnt kirchliche Ämter für AfD-Funktionäre weiter ab. “Wenn jemand menschenverachtende Positionen vertritt, ist er für kirchliche Ämter nicht geeignet, und das ist bei Funktionären der AfD der Fall”, sagte Heinrich der “Welt am Sonntag”. Es gehe um Leitungsgremien, in denen es um diakonische Fragen, die Arbeit mit Behinderten und um die Wahrung der Menschenwürde gehe. “Das geht mit den Positionen der AfD nicht zusammen”, so Heinrich.
Das bedeute jedoch keinen Gesprächsabbruch mit den Menschen. Die Haltung der EKD könne bei Menschen, die mit der Partei sympathisierten, “krasse Spannung” auslösen. Im direkten Gespräch zu bleiben, sei da wichtig. Die evangelische Kirche schließe zudem keine Menschen aus: “Es wird nicht abgefragt, was Menschen wählen, die unsere Gottesdienste und Angebote besuchen.”
Heinrich widersprach der Kritik, die EKD habe sich mit ihrer neuen Friedensdenkschrift vom Pazifismus verabschiedet. Die Schrift stehe nur jener Pazifismus-Theorie entgegen, die besage, für alle politischen Fragen gebe es immer gewaltfreie Lösungen. “Diese Idealvorstellung können wir in einer gewaltvollen Welt nicht mehr ohne Weiteres annehmen”, sagte Heinrich. Die Abwesenheit von Gewalt sei immer das erste Gut, für einen gerechten Frieden könne als letztes Mittel aber “rechtserhaltende Gewalt” notwendig sein. Mit der Denkschrift habe die evangelische Kirche ihre Positionen in gewisser Weise einem “Reality-Check” unterzogen.
Die Synoden-Präses verteidigte politische Einlassungen kirchlicher Akteure. “Die Menschen sollen erkennen, wofür die Kirche eintritt”, so Heinrich. Dazu gehörten auch die Menschen an den gesellschaftlichen Rändern: die Armen, Schwachen, Menschen auf der Flucht. Die Kirchen hielten Themen wach, die sonst zu oft durchs Raster fielen. Dieser Einsatz geschehe auf Grundlage des Evangeliums und mit dem Blick über das irdische Leben hinaus. Das unterscheide die Kirchen von anderen politischen Organisationen.