EKD-Ratsvorsitzende unterstützt deutsche Waffenlieferungen an Ukraine

Die Lieferungen seien ein Mittel, um der Ukraine bei ihrem Überlebenskampf zu helfen, sagt die Theologin. Sie betont das Recht auf Selbstverteidigung.

EKD-Präses Annette Kurschus Foto: Jens Schulze / epd
EKD-Präses Annette Kurschus Foto: Jens Schulze / epdepd-bild/Jens Schulze

Berlin. Die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, unterstützt die Entscheidung der Bundesregierung zur Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine. Zwar habe sie „höchsten Respekt vor allen, die für sich selbst auf die Option der Gewaltlosigkeit setzen“, sagte die westfälische Präses am Mittwoch dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“: „Aber ich erkenne die jetzt beschlossenen Waffenlieferungen als Mittel an, die Ukraine bei ihrem Überlebenskampf zu unterstützen.“

Der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer bekräftigte dagegen sein Nein zu Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. Er ist Friedensbeauftragter der EKD.

Rohe Gewalt, blankes Unrecht

Kurschus erklärte, wo ein Land und seine Menschen wie in der Ukraine rohe Gewalt und blankes Unrecht erfahren, hätten Menschen alles Recht, sich zu verteidigen. Und sie hätten das Recht, um Hilfe zu bitten, auch um Hilfe zur Selbstverteidigung, fügte die Präses der evangelischen Kirche von Westfalen hinzu.

Friedensbeauftragter gegen Lieferungen

Dagegen bekräftigte der mitteldeutsche Landesbischof Kramer seine Aussagen als EKD-Friedensbeauftragter. In der Vielfalt der Kirche müsse es Debatten um die richtige Haltung zum Krieg geben dürfen, sagte Kramer in Naumburg zum Auftakt der viertägigen Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Er sei persönlich weiterhin gegen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete.

In der Nachfolge Jesu Christi stehe die Kirche immer auf der Seite der Opfer, sagte Kramer. Christus habe Gewaltlosigkeit gepredigt. Andererseits wisse auch er, dass sich in dieser schwierigen Frage derjenige schuldig mache, der Waffen liefere. Denn mit diesen Waffen werde getötet. Und auch jene würden Schuld auf sich laden, die nicht zu helfen bereit seien.


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Kramer äußerte sich persönlich betroffen von scharfer Kritik an seinen Äußerungen in der öffentlichen Debatte. Teilweise sei er bewusst missverstanden worden, nachdem er Fragen gestellt habe, aber keine Lösungen habe anbieten können.

Auch Kurschus verwies auf die wachsende Sorge, dass mit einem Mehr an Waffen auch mehr Krieg gesät werde: „Das Recht wiederherzustellen und echten Frieden zu gewinnen: Das vermögen Waffen allein nicht.“ Ohne eine politische Strategie, die den Einsatz der Waffen begleitet, werde es kein „Danach geben, in dem wir wieder gut miteinander leben können“, sagte die EKD-Ratsvorsitzende. (epd)