Kennen Sie die Menschen, die in Ihrer Straße wohnen? Die Familie von gegenüber oder den alten Mann, den Sie nur selten sehen? Nachbarn und Nachbarinnen scheinen in Berlin immer weniger zu bedeuten. In so einer großen Stadt finden viele schnell die Nische, in der sie sich wohlfühlen. Den passenden Verein oder einen netten Buchclub. Da ist es eigentlich egal, wer in derselben Straße wohnt. Oder?
Das ist es nicht – und das zeigen Orte wie die Waschküche. Ein Nachbarschaftszentrum im Brunnenviertel, getragen von der Evangelischen Versöhnungsgemeinde im Berliner Stadtteil Wedding. „Räume wie die Waschküche sind etwas für Leute, die nicht weiter kommen als 100 bis 200 Meter. Die nicht Bus fahren können wegen ihres Rollators. Die einen eingeschränkten Wirkungsraum haben.“ Das sagt Heike Mohaupt-Wonnemann. Sie ist Koordinatorin der Waschküche und kennt viele ihrer Stammgäste persönlich. Es sind vor allen Dingen ältere und einsame Menschen, die zu den wöchentlichen Angeboten kommen.
Vom trubeligen internationalen Frühstück bis zu kleinen ruhigen Gruppen
Aber die Besucherinnen und Besucher spiegeln auch die Vielseitigkeit des Viertels wider. Vor einiger Zeit trafen sich hier türkische und arabische Frauen regelmäßig zum Frühstück. Mütter und junge Frauen, die sich eigentlich auf dem Spielplatz sahen, aber einen Raum für den Winter suchten. Am Freitagabend findet regelmäßig der „internationale Frauentreff“ statt. Hier kommen Menschen aus verschiedensten Ländern zusammen, kochen gemeinsam, reden und trinken Tee. Mahdiah Hashemi, die Leiterin, ist eine aufgeschlossene, freundliche Frau und sie kennt alle, die durch die Waschküchentür spazieren. Jede und jeder bringt etwas zu essen mit, damit alle satt werden.Auch zum Sprachcafé kommt ein vielseitiges Publikum, berichtet Heike Mohaupt-Wonnemann: „Viele junge Menschen nutzen dieses Angebot. Vor allen Dingen junge Frauen. Mit Kind oder ohne Kind – sie bemühen sich sehr, zusammen Deutsch zu lernen.“ Hier können Menschen ihre Gruppe finden, wenn der Berliner Lärm mal wieder zu laut, die Angebote zu viel oder zu weit weg sind. Es sind kleine, ruhige Gruppen, die sich zum Nachbarschaftscafé oder zum Seniorensport treffen. Aber in diesen Räumen finden sie kurz-oder langfristig Menschen, die das Gleiche begeistert.Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
