Internationale Pfingstgemeinden

Das sind Hamburgs neue Christen

Es wird immer bunter unter Hamburgs Christen. Während bei den großen Kirchen Jahr für Jahr die Mitglieder schwinden, wachsen besonders die internationalen Pfingstgemeinden weiter.

So feiert die Living Generation Church Gottesdienst

von Johanna Tyrell

Hamburg. Sechs Jahre ist es her, dass Pastor Elorm Nick Ahialey-Mawusi und eine Gruppe junger Menschen ihre eigene Kirche gründeten. Inzwischen hat die Gemeinde, die Living Generation Church in St. Georg-Borgfelde, mehr als 150 Mitglieder. Meist junge Erwachsene.

Doch was treibt junge Erwachsene dazu, eine eigene Kirche zu gründen? „Es fehlte immer irgendwas. Wir sind die zweite Generation“, erklärt Donaldson Sackey. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Living Generation Church und ihr Sprecher. Seine Eltern sind vor Jahrzehnten aus Togo nach Deutschland gekommen. So wie bei vielen anderen aus der Gemeinde auch. Doch der Wunsch nach einer Gemeinde, in der sie sich richtig heimisch fühlen können, war immer da. „Wir kennen beide Gesellschaften, die deutsche und die unserer Eltern“, sagt er. Eine spirituelle Heimat haben sie durch deren Mischung gefunden.

Heiliger Geist im Mittelpunkt

Kirchenhistorisch sind die Pfingstgemeinden eine junge Bewegung. Der Heilige Geist als ein Teil der Dreifaltigkeit wird von ihnen in der Lehre und Glaubenspraxis stärker in den Mittelpunkt gerückt als in anderen christlichen Gemeinden. Während die traditionellen Kirchen in Deutschland Jahr für Jahr an Mitgliedern verlieren, verzeichnen die Pfingstgemeinden bundesweit seit Jahren Zuwächse. Auch in Hamburg. Allein zwischen 2009 und 2019 sind laut Zahlen des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Deutschland die Gemeinden von 729 auf 836 gestiegen. Ein Mitgliederzuwachs deutschlandweit von rund 19 000 Menschen im selben Zeitraum. Knapp 40 Prozent von ihnen sind Gemeinden anderer Sprache und Herkunft.

Foto: Pixabay

Genaue Zahlen, insbesondere der internationalen Pfingstgemeinden in Hamburg zu erhalten, ist schwierig. „Die Landschaft ist unübersichtlich, wächst aber und wird diverser“, sagt Annette Reimers-Avenarius. Sie ist Ökumenebeauftragte und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg und arbeitet täglich mit den internationalen Gemeinden der Hansestadt zusammen. Das Spektrum sei groß, sagt sie. Von „bedenklich“ bis sehr nah am Gottesdienst, wie man ihn aus lutherischen Gemeinden kennt.

Und wie ist das Verhältnis zwischen beiden? Das komme immer auf die jeweiligen Gemeinden an, so Reimers-Avenarius. Auf beide Seiten. Da gibt es tolle Beispiele der Zusammenarbeit wie in Hamburg-Borgfelde, dort, wo auch die Living Generation Church beheimatet ist. Insgesamt gäbe es viel Interesse an der Ökumene. Besonders im diakonischen Bereich.

Besucher sogar aus Berlin

Inzwischen kommen die Menschen nicht nur aus Hamburg zu den Gottesdiensten der Living Generation Church. Immer wieder haben sie Besucher aus Berlin und anderen Städten. Seit durch die Corona-Pandemie online gefeiert wird, hat sich der Kreis noch einmal erweitert. „Zu uns kommen ganz verschiedene Menschen. Aus verschiedenen afrikanischen Ländern, Deutschland, der Türkei“, erzählt Sackey. „Dieser Mix prägt das Gemeindeleben und spiegelt Hamburg als multikulturelle Stadt wider.“

Doch nicht nur Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern fühlten sich in der Living Generation Church spirituell beheimatet, auch aus den verschiedensten Konfessionen und Religionen. Sackey selbst erzählt, dass er aus einem katholischen Umfeld komme. Auch Muslime, Protestanten der verschiedensten Couleur sind inzwischen Teil der Gemeinde. „Eine Kirche mit mehr gelebter Ökumene geht nicht“, sagt er.

Keine Konkurrenz

Als Konkurrenz zu den landeskirchlichen Gemeinden sieht er die Pfingstgemeinden nicht. „Kirche hat einfach ein bestimmtes Image. Leise Gebete, ruhige Musik“, sagt er. „Ich glaube, manchmal fehlt da das Lebendige. Junge Menschen fühlen sich da vielleicht nicht immer angesprochen“, vermutet der 32-Jährige.

Was das Geheimrezept ist

Gibt es dafür ein Geheimrezept? „Nah bleiben“, kommt es prompt von Sackey. „Wir sehen uns im diakonischen Bereich sehr stark.“ Und er erzählt davon, wie sie auf der Straße als Gospelchor singen, Obdachlosen Kleidung und Essen bringen. „Viele kommen dann auch später zu uns in den Gottesdienst“, erzählt er. Und seien überrascht von dem Gemeinschaftsgefühl, das von der Gemeinde ausgehe.

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