Das sagen die Kirchen zum Brexit

Die Spitzenverteter der deutschen Kirchen sind sich einig: Der Brexit ist keine gute Entscheidung der Briten. Dennoch dürften Kontakte auf die Insel nicht abreißen. Der niedersächsische Landesbischof Meister reist nach England.

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Mit einem Appell, an Frieden und Solidarität festzuhalten, reagieren deutsche Kirchenvertreter auf den Brexit. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat vor Schuldzuweisungen und harschen Worten in Richtung der Briten gewarnt. „Bei aller Trauer und Bestürzung müssen wir den demokratischen Willen der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen“, sagte der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.
Nach dem Votum für einen Austritt aus der Europäischen Union sei es wichtig, auf allen Ebenen weiterhin Brücken nach Großbritannien zu schlagen und Begegnungen zu pflegen. „Wir müssen den Dialog darüber weiterführen, was ein Miteinander in Europa bedeutet“, unterstrich der Bischof. Er reist in der übernächsten Woche ins britische York, wo er vor der Synode der anglikanischen Kirche ein Grußwort sprechen wird. Die ohnehin geplante Reise bekomme für ihn jetzt noch einen anderen Stellenwert, sagte er.

Nordkirche unterhält Partnerschaften

Für Nordkirchen-Landesbischof Gerhard Ulrich gilt es nun, Folgen und Ursachen des Brexit in den Blick zu nehmen und daraus Lehren zu ziehen. „Europa muss sich auch weiterhin seiner Verantwortung für Menschenwürde, Demokratie und gerechte Teilhabe stellen. Es lohnt sich allemal, auf diesem Weg gemeinsam unterwegs zu sein“, sagte der Theologe. Die Nordkirche unterhält seit Jahrzehnten Partnerschaften zu den anglikanischen Diözesen Ely, Durham und Lichfield, die fortgesetzt werden sollen.
Der katholische Hamburger Erzbischof Stefan Heße hält die Entscheidung für einen „Rückschritt“. Man brauche ein gemeinsam handelndes Europa, und zwar nicht nur in der Flüchtlingsfrage.
Nach den Worten von Heinrich Bedford-Strohm, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), würden die Kirchen in Deutschland und Großbritannien weiterhin zusammenarbeiten. In ihrem internationalen ökumenischen Netzwerk würden die Kirchen sich „weiter für ein geeintes und solidarisches Europa einsetzen“, sagte Bedford-Strohm. Er wies auf Meldungen hin, wonach vor allem junge Menschen gegen den Austritt aus der EU gestimmt hatten. Das sei „eine besondere Verpflichtung, in unserem Engagement nicht nachzulassen“, sagte Bedford-Strohm.
Nach Einschätzung des evangelischen deutschen Auslandspfarrers in London, Ulrich Lincoln, hatten die britischen Kirchen vor der Abstimmung eher hilflos agiert: „Die Spaltung verläuft auch innerhalb der Kirchen. Da wird man nicht viel machen können.“ Der Brexit-Beschluss sei „eine Katastrophe“, sagte er. Zudem seien viele Deutsche verunsichert, weil es während des Wahlkampfs starke ausländerfeindliche Tendenzen gegeben habe.

Einheit angemahnt

Unterdessen mahnt die Kirche von England Einheit an: Die Kampagnen vor dem Referendum hätten Menschen auf beiden Seiten verletzt, hieß es in einer Erklärung des Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, und des Erzbischofs von York, John Sentamu. Doch als Bürger des Vereinigten Königreichs „müssen wir nun vereint handeln, um uns der Aufgabe zu widmen, ein großherziges und vorwärts gewandtes Land zu schaffen, das zu menschlichem Gedeihen auf der ganzen Welt beiträgt“, schrieben die beiden Spitzenvertreter der anglikanischen Kirche.
Papst Franziskus rief dazu auf, den bei der Volksbefragung geäußerten Willen der britischen Wähler zu achten. Das Ergebnis erfordere großes Verantwortungsbewusstsein, „um das Wohl des Volks Großbritanniens und das Wohl des Zusammenlebens des gesamten europäischen Kontinents zu garantieren“, sagte er nach Angaben von Radio Vatikan auf dem Flug in die armenische Hauptstadt Eriwan. (epd/tt)
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