Mit seinem Lied „Driving Home for Christmas“ gab der britische Musiker einer Sehnsucht eine Stimme, die für viele Menschen untrennbar zur Vorweihnachtszeit gehört. Geboren 1951 im nordenglischen Middlesbrough, aufgewachsen in einer italienisch-irisch geprägten, katholischen Familie, wurde Rea zu einem der prägenden Songwriter seiner Generation.
Seine Stimme war dunkel und rau, zugleich warm – mit einem heiseren Timbre, das man sofort wiedererkannte. Musikalisch verband Rea eingängigen Pop-Rock mit Blues-Elementen und charakteristischem Slide-Gitarrenspiel, oft getragen von einer melancholischen, nach innen hörenden Stimmung.
Chris Rea: “Driving home for Christmas” wurde spät zum Ohrwurm
Driving Home for Christmas ist eines seiner erfolgreichsten Lieder. Die erste Version erschien 1986 und blieb zunächst wenig beachtet, bevor sich der Song in den 2000er-Jahren zu einem modernen Weihnachtsklassiker entwickelte. Längst ist es zu einem weltweiten Ohrwurm geworden, der durch Autoradios, Supermärkte und Wohnzimmer zieht – für Millionen Menschen ein fester Teil der Vorweihnachtszeit. Ein Song vom Heimweg – und von der Hoffnung, endlich anzukommen.
Chris Rea war ein Sänger der Straße. Wie wenige andere hat er das Unterwegssein so konsequent vertont: Autobahnen, Staus, Rastplätze, nächtliche Fahrten. In Liedern wie The Road to Hell oder Auberge wird das moderne Leben zur endlosen Bewegung – viel Tempo, viel Strecke, aber oft ohne Gewissheit, wohin die Fahrt führt. Reas Figuren fahren, warten, stocken. Sie sind unterwegs, niemals am Ziel.
Hier entsteht die Nähe zu den Hörerinnen und Hörern. Viele erleben ihr eigenes Leben ähnlich – beschäftigt, mobil, ständig in Bewegung und doch innerlich auf der Suche nach einem Ort, der mehr ist als ein Zwischenstopp.
Chris Rea war nie ein Bekenntniskünstler
Driving Home for Christmas erzählt auf den ersten Blick keine große Geschichte: ein Stau, die Lichter der Autos, die langsame Fahrt durch die Nacht. Doch fast nebenbei entsteht daraus ein Raum für eigene Erinnerungen. Es weckt Bilder von Wärme und Licht, von vertrauten Stimmen, von Gerüchen aus der Küche, von Kindheit und Familie. Für Millionen Menschen trifft der Song damit eine tiefe Sehnsucht: die Hoffnung, irgendwo dazuzugehören.
Was in Reas Liedern „Zuhause“ heißt, bleibt offen. Es verweist weniger auf einen Ort als auf ein Gefühl von Ankommen und Geborgenheit.
Chris Rea hat sich nie als frommer Bekenntniskünstler inszeniert. Und doch haben viele seiner Bilder für heutige Hörerinnen und Hörer eine stille spirituelle Tiefe. Die Nacht, der stockende Verkehr, das zähe Vorankommen – das lässt sich hören als Gleichnis für Lebenslast und Unübersichtlichkeit. Die Lichter am Horizont, das erhoffte Ankommen – als Bild für Trost und Hoffnung – und für eine Ahnung von mehr.
Diese Offenheit macht seine Musik anschlussfähig: Sie deutet an, ohne festzulegen, und lädt dazu ein, eigene Erfahrungen hineinzulegen.
Christlich gelesen erhält diese Sehnsucht eine neue Tiefe. Weihnachten erzählt davon, dass Gott selbst unterwegs ist. Auch er ist on the road – hin zu den Menschen. Heimat erscheint hier nicht als fernes Ziel, auf das sich Menschen in unbestimmter Sehnsucht hintasten. Sondern als Nähe und Wärme, die ihnen entgegenkommt.
Christliche Hoffnung lebt vom Vertrauen
Für Christinnen und Christen hat diese Sehnsucht einen Namen und ein Gesicht: Jesus Christus, in dem Gott Mensch wird.
So bleibt „Zuhause“ nicht in der Nostalgie der Kindheit stehen. Es wird zur Zusage: Du bist angenommen. Du darfst ankommen – im Leben. Und darüber hinaus.
Wie Chris Rea persönlich geglaubt hat, bleibt offen. Christliche Hoffnung lebt nicht vom Wissen, sondern vom Vertrauen: dass ein Mensch in Gottes Händen geborgen ist – dort, wo die lange Straße des Lebens ein Zuhause findet.
“Driving home for Christmas” wird weiterklingen
Diese Hoffnung gilt nicht nur den Frommen. Sie gilt allen Menschen.
Driving Home for Christmas wird weiterklingen. Auf winterlichen Straßen, im Gedränge der Vorweihnachtszeit – ein stiller Rhythmus der Sehnsucht. Ein Lied für Menschen unterwegs.
Chris Rea starb am 22. Dezember 2025 im Alter von 74 Jahren in einer Klinik, im Kreis seiner Familie. Seit vielen Jahren war er gesundheitlich schwer angeschlagen.
