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Bundesregierung will mehr indische Pflegekräfte anwerben

Mehr als 300.000 ausländische Pflegekräfte gibt es in Deutschland. Damit sie bleiben und sich wohlfühlen, bedarf es bestimmter Voraussetzungen. Mit Indien hat die Bundesregierung jetzt Standards vereinbart.

Die Bundesregierung will mehr indische Pflegekräfte nach Deutschland holen. Im Rahmen des Treffens von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem indischen Premierminister Narendra Modi sei auch eine Absichtserklärung für die Anwerbung indischer Pflegekräfte unterzeichnet worden, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Dienstag in Berlin mit. Beim Besuch des Bundeskanzlers in Indien hätten sich die Gesundheitsministerien beider Länder abschließend auf gemeinsame Standards für die Anwerbung geeinigt.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte, es seien auch gemeinsame Standards bei der Ausbildung in Indien verabredet worden. So könnten langwierige und bürokratische Anerkennungsverfahren in Zukunft vermieden und gut ausgebildete Fachkräfte schneller in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden. “Das stärkt die Fachkräftesicherung bei uns und fördert gleichzeitig die Ausbildung vor Ort. Zugleich stärken wir dadurch die bilateralen Beziehungen zu unserem Partner Indien.”

Mit Blick auf Anwerbeverfahren vereinbarten beide Seiten bestimmte Standards, wie sie etwa das Gütesiegel “Faire Anwerbung Pflege Deutschland” vorgibt. Es legt beispielsweise fest, dass die Anwerbeverfahren nachhaltig, transparent und für die Bewerber unentgeltlich erfolgen müssen.

Zudem verständigten sich Indien und Deutschland auf die Etablierung sogenannter Global Skills Partnerships (GSP). Dabei werden angehende Pflegefachkräfte gemäß deutschen und indischen Anforderungsprofilen ausgebildet. Dazu werden Lehrpläne durch eine deutsche Universitätsklinik oder Pflegeeinrichtung und eine ausländische Bildungseinrichtung gemeinsam überarbeitet und um spezifisch deutsche Inhalte, vorwiegend im Bereich der ambulanten und stationären Langzeitpflege, ergänzt.

Während ihrer Ausbildung erhalten die Pflegekräfte zusätzlich regulären und fachsprachlichen Deutschunterricht bis zum international anerkannten Niveau B2 sowie interkulturelle Trainings, die sie auf das Leben und Arbeiten in Deutschland vorbereiten. Damit entfielen auch langwierige Verfahren zur Anerkennung der Berufsqualifikation, so das Gesundheitsministerium. Es versicherte, dass keine fertig ausgebildeten Pflegefachkräfte abgeworben würden.

Angesichts des Personalmangels im Pflegebereich gibt es verschiedene Anwerbeabkommen mit Nicht-EU-Ländern, darunter beispielsweise mit Mexiko, Indien und den Philippinen. 2024 arbeiteten mehr als 300.000 ausländische Pflegekräfte in Deutschland. Das waren knapp 18 Prozent der 1,7 Millionen Beschäftigten – also fast jede fünfte Pflegekraft. Experten sind sich sicher, dass das Pflegesystem in der Bundesrepublik ohne ausländische Fachkräfte zusammenbrechen würde. Zugleich gibt es die Sorge, dass ausländerfeindliche Stimmung und die Migrationsdebatte die Bundesrepublik weniger attraktiv machen.