Sondervikariat in der Militärseel­sorge

Besondere Erfahrungen in einer besonderen Zeit

Ein Jahr lang Sondervikariat in der Militärseel­sorge, so eine Chance kommt nur einmal im Leben, dachte sich Maximilian Chmielewski. Nun ist er seit Februar in der Militärseelsorge am Standort Hannover bei Militärdekan Martin Jürgens tätig – und berichtet davon.

Maximilian Chmielewski

Hannover. Am Ende meines Vikariats war ich fest davon überzeugt, dass ich mich auf eine Gemeindestelle bewerben werde. Dann wurden uns im Vikariatskurs die Sondervikariate vorgestellt. Darunter auch das bei der Militärseelsorge. Die Blicke meiner Kurskollegen fielen sofort auf mich. Ich sei wie dafür geschaffen, redeten Sie mir zu. Ich stamme aus einer Bundeswehrfamilie und habe bereits im Studium einen Schwerpunkt auf die Friedens­ethik gelegt. Angeregt durch ein Handlungsfeldpraktikum bei der Militärseelsorge wählte ich als Thema für meine Abschlussarbeit des ersten theologischen Examens die Evangelischen Militärseelsorge in der Bundeswehr. Meine persönliche Faszination und Respekt vor dem Dienst der Militärseelsorge war im Vikariatskurs demnach hinreichend bekannt.

Ich entschied mich im Bewerbungsverfahren für den Standort Hannover. Seit Februar 2020 bin ich nun dabei und voller Neugier, was jeder Tag in der Kaserne mit sich bringen mag. Mit dem dortigen Militärseelsorger wurde mir ein hervorragender Mentor an die Seite gestellt. Dass Martin Jürgens auch schon Militärpfarrer im entlegenen Torgelow war, als mein Vater dort stationiert war, fanden wir erst in einem Gespräch raus. Fast hätte er damals also meinen Bruder getauft, doch sein Auslands­einsatz kam dazwischen. An solch kleinen Geschichten, meine ich dann doch bruchstückhaft Gottes Führung in der Welt erkennen zu können.

Gemeinsam unterwegs

Als ich begann, freute ich mich auf Rüstzeiten im In- und Ausland. Denn mit den Soldaten und teilweise auch ihren Familien gemeinsam unterwegs zu sein, ist quasi wie eine kirchliche Freizeit, nur mit Menschen, die sonst im kirchlichen Leben eher weniger auftauchen: Menschen zwischen 20 und 50, Konfessionslose wie Gläubige anderer Religionen, Kirchenferne und Kirchennahe – ein wirklicher Querschnitt durch die Gesellschaft. Durch den berufsethischen Unterricht, der meistens von den Militärseelsorgern erteilt wird, komme ich wirklich mit allen Soldaten, egal welchen Dientgrads zusammen. Zudem konnte ich Seelsorgegespräche führen, die mir in dieser Dichte im Gemeindealltag bislang nicht begegnet sind. Ein Auslandseinsatz ist in diesem Jahr, zur Freude meiner Familie, jedoch nicht vorgesehen.

Durch Corona wurde aber auch hier alles anders. Erstmal wurde es sehr ruhig, alle unnötigen Kontakte beschränkt. Die Rüstzeiten sind abgesagt, der Ethikunterricht auf ungewisse Zeit verschoben. Die Sanität beteiligt sich am Aufbau eines Krankenhauses auf dem Messegelände. Auch hieran erkenne ich, wie wichtig es ist, dass die Bundeswehr im Ausnahmezustand schnell und kompetent auch im Inland operieren kann.

Langsam läuft der Betrieb nun wieder an. Und ich sammle andere Erfahrungen als anfangs gedacht.

Unser Autor
Maximilian Chmielewski (25) hat Theologie in Neuendettelsau, München und Tübingen studiert. Sein Vikariat hat er bei Pastor Klaus Volkhardt in der Kirchengemeinde Am Dobrock, im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln absolviert.

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