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Auschwitz-Überlebende: Man muss uns Juden wirklich kennenlernen

Was kann man gegen Antisemitismus tun? Tova Friedman, Überlebende der Schoah und Rednerin in der Gedenkstunde des Bundestags für die NS-Opfer, sagt, wie das gehen könnte. Mit ihrem Enkel ist sie auch auf Tiktok aktiv.

Im Vorgehen gegen Antisemitismus ist es nach Worten der Schoah-Überlebenden Tova Friedman (87) wichtig, Jüdinnen und Juden zu begegnen. “Man müsste uns kennenlernen. Ich meine, wirklich kennenlernen. Wir Juden sind das Volk der Schrift. Bildung ist unser Ein und Alles”, sagte die in den USA wohnende Auschwitz-Überlebende im Interview der “Jüdischen Allgemeinen” (Dienstag, online). Und: “Wir brauchen die Nichtjuden im Kampf gegen den Antisemitismus.”

Menschen müssten immer wieder erreicht werden, betonte Friedman. Sie bräuchten die Wiederholung, “um etwas wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen. Solange es Antisemitismus gibt, müssen wir weitermachen. Und wir müssen die Lehrer gut ausbilden.” Ein in Deutschland geplantes Bildungszentrum der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nannte Friedman eine “gute Sache”. Ihrer Meinung nach sollte es in jedem Staat eine solche Einrichtung geben.

Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman produziert Friedman kurze Videos für die Plattform Tiktok. Auf die Frage, warum sie sich auf der Plattform engagieren, sagte Goodman in demselben Interview: “Das hat mehrere Gründe: Erstens kenne ich den Algorithmus gut und weiß, was funktioniert und was nicht. Zweitens habe ich auf Tiktok extrem viel Antisemitismus gesehen. Es wurde wenig dagegen unternommen.”

Und schließlich bezögen viele junge Leute aus seiner Generation ihre Informationen über Tiktok. “Hinzu kommt: An vielen Schulen in den USA wird der Holocaust kaum oder gar nicht unterrichtet – besonders im Süden des Landes, aber auch in New Jersey. Diese Jugendlichen wollen wir erreichen und ansprechen.” Und schließlich wolle er mit seiner Großmutter Werbung machen für einen besseren Schulunterricht zum Thema Holocaust.

Friedman überlebte als Kind die Schoah und ging später in die USA, wo sie Therapeutin und Autorin wurde. Am 28. Januar wird sie in der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus eine Rede halten.