Auftritt der „Letzten Generation“ bei EKD-Synode erntet erneut Kritik

Auf der Jahrestagung der Protestanten vergangene Woche sprach eine Klimaaktivistin der „Letzten Generation“. Viele Kirchenleitendende applaudierten im Stehen. Doch jetzt folgt Kritik aus der Politik – und auch aus der Kirche.

Aimée van Baalen sprach vergangene Woche vor der EKD-Synode
Aimée van Baalen sprach vergangene Woche vor der EKD-SynodeJens Schulze / epd

Berlin. Der Auftritt einer Klimaaktivistin der „Letzten Generation“ bei der Synode der EKD sorgt weiter für Kritik. Die FDP-Politikerin Linda Teuteberg sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), sowohl die Einladung als auch die verbale Unterstützung von EKD-Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich für entsprechende Protest-Aktionen halte sie für „verstörend und problematisch“. Teuteberg ist selbst Mitglied des evangelischen Kirchenparlaments, das vergangene Woche in Magdeburg tagte.

Auch die evangelische Theologin Margot Käßmann hält die Protestform der „Letzten Generation“ für falsch. Gewalt gegen Sachen und auch Selbstverletzungen seien für sie schon immer eine höchst problematische Form des Protests gewesen, sagte Käßmann dem Polit-Magazin „Cicero“. „Sie kann ich nicht akzeptieren“, sagte die frühere EKD-Ratsvorsitzende und hannoversche Landesbischöfin.

„Alles andere ist unchristlich“

Käßmann unterstrich, Protest gehe nur gewaltfrei. „Alles andere ist unchristlich“, betonte sie. Sie verstehe die Anliegen der jungen Menschen, aber sie verstehe deren Weg nicht. Es berge die Gefahr, dass Gewalt gegen Sachen umschlage, auch in Gewalt gegen Menschen, beispielsweise in Gewalt gegen Polizisten und Ordnungskräfte, sagte Käßmann. „Das finde ich hochproblematisch, falsch und gefährlich.“


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Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte in seiner Predigt in München zum Buß- und Bettag am Mittwoch, auch wenn die Methoden der „Letzten Generation“ das falsche Mittel seien, um wirklich Umdenken zu erzeugen, sollten die Methoden nicht davon abhalten, die Bedrängnis, die in solchen Aktionen zum Ausdruck komme, „an uns heranzulassen“. Der frühere EKD-Ratsvorsitzende hatte das Festkleben auf Straßen und Lebensmittel-Attacken auf Kunstwerke in Magdeburg als „komplett kontraproduktiv“ bezeichnet.

Die Kirche könne und solle zwar einen Gesprächs- und Debattenraum bieten, erklärte Teuteberg. Kein noch so wichtiges Anliegen könne indes eine Rechtfertigung dafür sein, Gewalt gegen Sachen oder Menschen auszuüben, ergänzte die Bundestagsabgeordnete, die wegen der parallelen Sitzungswoche im Bundestag nicht für die gesamte Zeit der Beratungen in Magdeburg war.

Eigenes Wohl zurückgestellt

Zuvor hatte bereits der CDU-Politiker Thomas Rachel, der Mitglied im Rat der EKD ist, Kritik geübt und die evangelische Kirche davor gewarnt, Straßenblockaden zu legitimieren. Präses Heinrich hatte in der vergangenen Woche am Rande der EKD-Synodentagung Respekt für die Klimaaktivisten geäußert. Sie stellten ihr eigenes Wohl zurück, um „gewaltfreien, zivilen Widerstand“ zu leisten. Zuvor hatte Aimée van Baalen als Vertreterin der „Letzten Generation“ in Magdeburg zu den 128 Delegierten des Kirchenparlaments gesprochen und von großen Teilen des versammelten Plenums stehenden Applaus erhalten.  (epd)