Angst, Vertrauen und ein Weg

Über die Nähe Gottes schreibt Pastor Michael Brems. Er koordiniert die Krankenhausseelsorge in der Nordkirche.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod.“ aus Matthäus 26, 36-46

Ein letztes Mal ist er denen nahe gewesen, die ihm am Herzen liegen. Sie haben gegessen, getrunken, hinter sicheren Mauern Brot und Wein geteilt, noch einmal gemeinsam das Lob Gottes gesungen: „… und seine Güte währet ewiglich!“ Dann zieht es ihn raus aus diesem Raum, raus in die nächtliche Luft, in einen Garten und unter den Himmel: Luft holen. Er zittert. Die Zeit läuft aus.

Die Schritte hallen in den Gassen, die Folterer sind schon unterwegs. Mit ihnen kommen unentrinnbar Schmerzen, Qual und Tod. Aber noch nicht. Noch ist eine kleine Galgenfrist, ein Zwischenraum, eine Stunde letzter Schonung. Letzte zerrinnende Zeit. Atem holen. Und gleichzeitig wogen in seinem Körper Angst vor dem, was kommt, Verzweiflung und Unruhe.

Darauf aufbauen

Seine engsten Vertrauten zieht er mit sich: „Bleibt bei mir! Lasst mich nicht allein! Geht mit mir durch die Nacht! Lasst mich spüren, dass ihr da seid! Gib mir deine Hand!“ Nähe fühlen, einen andern fühlen, Wärme, Halt, eine Hand. Doch auch die lässt er schließlich los. Die schwersten Wege werden allein gegangen. Dann ist er für sich. Er ringt. Er weint. Er schwitzt. Und Gott ist da. Und sieht. „… und seine Güte währet ewiglich!“

Daran glauben. Daran festhalten. Daran nicht verzweifeln. Darauf bauen. Und Angst haben. Todesangst. Verzweiflung. Unruhe. Und nicht entrinnen können. Und sich erinnern. Und aufblicken. Und die Hand der Seele ausstrecken. Und Angst haben. Und ringen. Allein. Und doch nicht allein. Und doch allein. Sich anlehnen. Sich hingeben. Zurückschrecken. Suchen. Finden. Verlieren. Die Angst spüren, wirklich, im ganzen Körper, in jeder Zelle, auf aller Haut. Und da ist noch eine andere Wirklichkeit. Gott ist da. Und die Angst ist wirklich und furchtbar. Und sie ist nicht alles. Sie ist da. Und Gott ist da. Und sieht. Und Gott im Himmel wird ihm zum Boden, auf dem er zum Stehen kommt, wird sein Atmen und sein Herzschlag. Er richtet sich auf. Er steht auf. Er erhebt seinen Blick. Er ist hinduch. Und lässt sich. Dein Wille geschehe.

Unser Autor
Pastor Michael Brems koordiniert die Krankenhausseelsorge in der Nordkirche.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.