Gadebusch/Schönfeld Mühle. Eine Arbeit, die Fachwissen, Geduld und Fingerspitzengefühl erforderte: Glasmeisterin Luise Brügemann hat in ihrer Glaserei in Schönfeld Mühle sechs Stifterscheiben aus der Stadtkirche St. Jakob und St. Dionysius in Gadebusch erneuert. Die Kabinettscheiben hängen nun wieder vor den Fenstern im Chorraum.
„Die letzte Restaurierung vor zehn Jahren war schon aufwendig. Und auch jetzt ist die Erneuerung eine anspruchsvolle Aufgabe. Nichts für Anfänger“, sagte Luise Brügemann, die von ihrem Mann Andreas Kluth-Brügemann unterstützt wurde. Die Experten aus der Gemeinde Mühlen Eichsen beschäftigten sich seit Januar intensiv mit den bunten Kunstwerken, die im 16. oder 17. Jahrhundert angefertigt worden waren. „Sie stammen eher aus der Renaissancezeit“, berichtete Gerhard Schotte, Vorsitzender des Fördervereins der Stadtkirche zu Gadebusch. Der Verein hatte den Auftrag für die Erneuerung erteilt.
Zerbrechliche Kunstwerke
Auf den 37 Zentimeter breiten und 57 Zentimeter hohen Bleiglasscheiben sind Wappen, Ornamente und Namen von Stiftern zu sehen. Auf einem ist zum Beispiel ein Wappen mit einem abgestützten Weinstock auszumachen, darüber der Kopf eines Engels und darunter vermutlich zwei Teufelsköpfe. Die Einsätze mit den Wappen sind einen bis drei Millimeter dick, das durchsichtige mundgeblasene Antikglas an den Seiten, mit dem das Ehepaar die Kabinettscheiben zur Stabilisierung eingefasst hat, hat eine Stärke von rund drei Millimetern.
Allerdings hat der Zahn der Zeit an einigen der zerbrechlichen Kunstwerke genagt: „Zum Teil gibt es nur noch Rudimente. Und einige Scheiben wurden vor zehn Jahren mit neutralen Stücken ergänzt“, berichtete die Inhaberin der Glaserei. „Die Scheiben mussten dringend überarbeitet werden, denn sie waren sehr instabil. Es bestand die Gefahr, dass sie in sich zusammenklappen“, erklärte Luise Brügemann.

In ihrer Werkstatt lötete die Expertin unter anderem alte Konstruktionsbefestigungen ab und fasste die Scheiben in ein Rauten-Bleifeld neu ein. Zusätzlich wurden Kupfernähte eingelötet und die kleinen durchsichtigen Scheibenstücke nach einer zuvor angefertigten Schablone passend geschnitten. Andreas Kluth-Brügemann, Betriebswirt und Glaser, fertigte Laschen an, mit deren Hilfe die Scheiben an waagerechten Windeisen befestigt wurden. Dafür wurden in jedem der drei Chorfenster Krallen angebracht. Von Thomas Heyden aus Gadebusch stammen die Kupferprofile, mit denen das Glas neu umrahmt wurde.
„Die wertvollen Scheiben, zuletzt hingen nur drei im Chorraum, waren Flatterteile, denn sie hatten keine Rahmen“, sagte Gerhard Schotte. Er freut sich, dass die bunten Objekte wieder zu sehen sind. „Sie gehören zur Kirche, die so immer vollkommenerer wird.“
Der Förderverein zahlte für die Restaurierung rund 3000 Euro. Dazu kamen Kosten für das Baugerüst in der Kirche. In der Gadebuscher Kirche gibt es wieder elf Stifterscheiben. Zwei davon sind beispielsweise in der Lützow-Kapelle zu sehen.
