Instagram und andere Social-Media-Plattformen sind aus dem Alltag junger Menschen nicht mehr wegzudenken. Eine neue Studie zeigt nun, wie schwer es Jugendlichen fällt, ihre Bildschirmzeit im Griff zu behalten.
Tiktok, Instagram und Co. gehören fest zum Alltag junger Menschen: Mehr als jeder Vierte der 14- bis 20-Jährigen verbringt mindestens fünf Stunden am Tag in den Sozialen Medien. Das geht aus einer repräsentativen Studie von infratest dimap im Auftrag der Vodafone Stiftung hervor, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt. Knapp 70 Prozent nutzen die Plattformen demnach mehr als zwei Stunden täglich. Gleichzeitig sind viele Jugendliche unzufrieden mit ihrem Social-Media-Konsum: Sie verbringen dort mehr Zeit, als ihnen selbst lieb ist, wie rund drei Viertel der Befragten (73 Prozent) erklärten.
Mehr als jeder Zweite würde gerne weniger Zeit bei Tiktok und Co. verbringen, schafft es aber nicht. 61 Prozent gaben an, durch ihren Social-Media-Konsum andere Dinge zu vernachlässigen. Zwar überwiegen bei den meisten jungen Menschen positive Gefühle wie Freude (83 Prozent), Neugier (81) und Entspannung (67) im Zusammenhang mit der Nutzung der Plattformen. Doch jeder dritte Jugendliche (33 Prozent) berichtet auch von digitalem Stress. 34 Prozent erklären, dass sie Neid auf andere verspürten, 37 Prozent fühlen sich nach dem Scrollen einsam.
Trotz der Schwierigkeit, die eigene Nutzung zu begrenzen, versuchen junge Menschen, ihr Verhalten bewusst zu steuern: So deaktivieren laut Studie 69 Prozent Push-Mitteilungen für bestimmte Apps. 58 Prozent erklärten, soziale Medien während des Lernens zu meiden; rund jeder Zweite hält zudem handyfreie Zeiten am Tag ein.
“Soziale Medien sind für junge Menschen heute fester Bestandteil des Alltags – mit all ihren Chancen und Herausforderungen”, erklärte Matthias Graf von Kielmansegg, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung, laut Mitteilung am Dienstag. Sie wünschten sich zugleich Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien.
So erklärten rund acht von zehn Schülern, dass sie Unterrichtseinheiten zum besseren Umgang mit sozialen Medien, konkrete Schulprojekte oder Tipps für eine ausgewogene Nutzung sinnvoll fänden. Eine regelmäßige “Social-Media-Sprechstunde” an der Schule würde eine Mehrheit von 88 Prozent befürworten. Für ein komplettes Handyverbot im Unterricht oder im Klassenzimmer sprachen sich 60 Prozent der Befragten aus.
“Der Auftrag an Bildung und Politik ist eindeutig: Jugendliche brauchen nicht nur Regeln, sondern Räume und kompetente Anleitung, um Kompetenzen und Resilienz im Social Media-Alltag zu entwickeln”, sagte Graf von Kielmansegg. Dafür müsse Medienbildung zur Selbstverständlichkeit im Schulalltag werden. Der stellvertretende Vorsitzende der Bundesschülerkonferenz, Ayush Yadav, sprach sich indes gegen generelle Handy-Verbote an Schulen aus. “Wir müssen in der Schule lernen, sinnvoll mit unseren Geräten umzugehen. Das ist der erste Schritt”, erklärte er.
Bisher fehlt es der Erhebung zufolge allerdings häufig an klaren Regeln und Vermittlung – sowohl in Schulen als auch im Elternhaus. Jeweils mehr als jeder zweite Befragte erklärte, dass es im Elternhaus keine Regeln zur Nutzung von Social Media gebe und er an der Schule nichts zum Umgang mit den Plattformen lerne.
Für die Studie “Zwischen Bildschirmzeit und Selbstregulation – soziale Medien im Alltag von Jugendlichen” wurden den Angaben zufolge 1.046 deutschsprachige Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren im April und Mai dieses Jahres online befragt.