Seit Veröffentlichung der sogenannten ForuM-Studie über sexualisierte Gewalt in evangelischer Kirche und Diakonie vor zwei Jahren haben die drei Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen Prävention und Aufarbeitung stark vorangetrieben. Zuletzt übernahmen sie zu Jahresbeginn gemeinsam mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) die Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Anerkennung von sexualisierter Gewalt. Damit gibt es einen einheitlichen Rahmen für Anerkennungszahlungen an betroffene Personen – nicht überall ist diese Richtlinie bundesweit schon umgesetzt.
Bereits im März 2025 nahm die „Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommission West“ für den Bereich Rheinland, Westfalen und Lippe ihre Arbeit auf. Sie war eine der ersten von neun Kommissionen im Bereich der EKD, von denen noch nicht alle ihre Arbeit begonnen haben. Vertreter von Betroffenen, Kirche und Diakonie sowie externe Fachleute kümmern sich in der Kommission West um die zahlenmäßige Erhebung von Fällen und die Analyse von Mustern und Zusammenhängen sexualisierter Gewalt. Außerdem bewerten sie den Umgang mit Betroffenen und beraten die Landeskirchen bei der Aufarbeitung. Das Gremium organisierte bereits mehrere Betroffenenforen.
Seit Anfang Januar gibt es für die rheinische und die westfälische Kirche zusätzlich zu den internen Meldestellen mit dem Bielefelder Verein „Wildwasser“ eine externe Ansprechstelle für Missbrauchsbetroffene. Die lippische Kirche hat nach eigenen Angaben bereits seit 2024 externe Ansprechstelle. In allen drei Kirchen widmen sich Stabsstellen der Prävention, Intervention und Aufarbeitung. Sie wurden seit der Publikation der ForuM-Studie personell deutlich verstärkt, in Westfalen und im Rheinland werden sie von Kriminologinnen geleitet.
Neben den gemeldeten Missbrauchstaten versuchen die Kirchen auch in ihren eigenen Personal- und Disziplinarakten weitere Verdachtsfälle aufzuspüren. Auf allen kirchlichen Ebenen und in diakonischen Einrichtungen existieren inzwischen Schutzkonzepte, um weitere Fälle von sexualisierter Gewalt möglichst zu verhindern.
Am 25. Januar 2024 hatte der unabhängige Forschungsverbund ForuM eine umfassende Studie vorgelegt. Sie zeigte, dass das Ausmaß von Missbrauch in der evangelischen Kirche größer war als bis dahin angenommen. Für den Zeitraum von 1946 bis 2020 wurden bundesweit mindestens 2.225 Betroffene und 1.259 mutmaßliche Täter ermittelt, die Dunkelziffer liegt laut den Forschern höher.