Zusatzschilder erläutern historisch belastete Straßennamen in Landau

Die Stadt Landau bringt Zusatzhinweise an Straßenschildern mit dem Namen historisch belasteter Persönlichkeiten an, wie für den ehemaligen pfälzischen Kirchenpräsidenten Hans Stempel (1894-1970). Damit werde ein Stadtratsbeschluss umgesetzt, teilte die Stadt Landau am Dienstag mit. Zunächst erläuterten Zusatzschilder an der Hindenburgstraße, der Hans-Stempel-Straße und einer nach dem nationalsozialistischen Arzt und Paläontologen Ludwig Kohl-Larsen (1884-1969) benannten Straße die biografischen Hintergründe der Namensgeber. Eine Mehrheit der Landauer Bürgerschaft hatte sich vergangenen Februar bei einem Bürgerentscheid gegen eine Umbenennung der drei Straßen ausgesprochen.

Die neuen Zusatzschilder werden den Angaben zufolge direkt unter dem jeweiligen Straßennamen angebracht und informieren über die Lebensdaten der Namensgeber. In der Hindenburgstraße heiß es nun: „Paul von Hindenburg (1847-1934) Militär, Politiker, Reichspräsident 1925-1934. Folgenschwere Verantwortlichkeit für die Etablierung des nationalsozialistischen Regimes 1933.“ Zusätzlich würden unter den Schildern QR-Codes angebracht, die auf ausführlichere Informationen auf der städtischen Internetseite verwiesen. Dort sei auch der Prüfbericht des Archivs und Museums einsehbar. Demnach seien mehrere Straßennamen in Landau teils erheblich historisch belastet. Auch weitere Straßen sollen nun schrittweise mit entsprechenden Hinweisen ergänzt werden.

Für sein Engagement zugunsten von NS-Straftätern nach 1945 steht der ehemalige pfälzische Kirchenpräsident Hans Stempel seit Jahren in der Kritik. Der in Steinwenden im Landkreis Kaiserslautern geborene evangelische Theologe hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg für den Verein „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte“ engagiert und gehörte dessen Präsidium an. Er war zudem inoffizieller „Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Seelsorge an deutschen Kriegsverurteilten in ausländischem Gewahrsam“. Die Evangelische Kirche der Pfalz hatte im Vorfeld des Landauer Bürgerentscheids erklärt, eine Entscheidung über eine Umbenennung der Stempel-Straße sei allein Sache der Bürgerschaft.

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