Repair-Café in Flensburg

Wo kaputt nicht kaputt ist

Gemeinsam betreiben die Hochschule Flensburg und eine Kirchengemeinde ein Repair-Café. Das "FabLab" will damit auch einen Beitrag zur Umwelt leisten.

Bärbel Schumann im Repair-Café

von Kristina Larek

Flensburg. An der Hochschule Flensburg gab es die Idee, ein „FabLab“ auf die Beine zu stellen. Das Kunstwort kommt aus dem Englischen und setzt sich aus fabrication und laboratory zusammen. Übersetzt bedeutet es Fabrikationslabor. „Die Idee ist in der Makerszene entstanden“, erklärt Leiter Torsten Steffen. Es bedeutet, dass Tüftlern und Erfindern Räume, Maschinen und Werkzeuge angeboten werden, die sie benutzen können.

In der Kirchengemeinde St. Jürgen, nur rund acht Gehminuten entfernt, gab es ungefähr zur gleichen Zeit die Idee, ein Reparatur-Café ins Leben zu rufen. „Also haben wir kurzerhand unsere Kompetenzen zusammengepackt“, erzählt Torsten Steffen. Seit Juni 2017 gibt es nun das „FabLab Ideenreich“. Das Repaircafé stellt Geräte wie in einer guten Werkstatt, aber auch moderne Maschinen wie einen 3D-Drucker oder einen Lasercutter zur Verfügung. „Damit können die Produktideen sehr schnell in die Realität umgesetzt werden“, so Steffen.

Unterstützung fürs Ehrenamt

Aber das Angebot des „Ideenreich“ richte sich auch an Menschen in der Region, die etwas zu reparieren haben, „das vielleicht nicht so ohne Weiteres reparabel erscheint oder bei dem es sich auf den ersten Blick nicht lohnt“, sagt Steffen. Die Reparateure, die sich dann im Ideenreich um Toaster, Radio und Co. kümmern, sind alle ehrenamtlich tätig. Sie kommen über die Kirchengemeinde oder über das „FabLab Ideenreich“ und haben Freude am Basteln, Tüfteln und Helfen. „Nennen wir es Nächstenliebe“, so Torsten Steffen. Manchmal sind es drei und vier Besucher, die mit ihren Geräten an einem Sonnabend das „Ideenreich“ besuchen. Manchmal sind es auch dreißig.

Auf Hilfe für ihren Staubsauger hofft Bärbel Schumann. „Er gibt zwar Töne von sich, hat aber keine Leistung.“ Von dem Angebot hat sie auf Facebook erfahren, „und dann habe ich mich online angemeldet und sofort einen Termin bekommen“, erzählt die Kundin. Bärbel Schumann habe sich bewusst für den Besuch im Reparatur-Café und gegen den Gang in einen Elektronikmarkt entschieden. „Ich möchte damit das Ehrenamt unterstützen, weil ich es wirklich toll finde, dass es ein solches Angebot gibt“, erzählt sie. Es sei nicht so anonym, und das Gerät beim Hersteller einzuschicken, sei ihr zu umständlich, erklärt Schumann, die selbst ehrenamtlich in einem Hospiz arbeitet.

Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit

Das Reparatur-Café verstehe sich nicht als Konkurrenz zu kleinen Unternehmen, die sich auf solche Reparaturen spezialisiert haben, erklärt Torsten Steffen. „Wir verstehen uns als Hilfe zur Selbsthilfe.“ Denn die Kunden sind in die Prüfung und Reparatur ihrer Geräte einbezogen. „Ihnen wird gezeigt, was kaputt ist und wie sie es beim nächsten Mal selbst in Ordnung bringen können“, so Steffen. Außerdem werde den Kunden gezeigt, wie sie ihre Geräte besser pflegen können, damit sie länger halten, denn es gehe auch um Nachhaltigkeit. „Wir wollen auch Müllvermeidung betreiben und eine andere Wertschätzung der Produkte in den Menschen erzeugen“, so der FabLab-Leiter.

Ob Toaster, Gartengerät, Werkzeug oder Fahrrad, mehr als die Hälfte der kaputt geglaubten Dinge könne wieder in Betrieb gesetzt werden, erzählt Torsten Steffen. Für die Kunden des „Ideenreich“ kostet das gar nichts, denn alle Helfer machen ehrenamtlich mit. „Große Materialien oder Ersatzteile müssen die Leute selbst mitbringen“, so Steffen. Außerdem würden zufriedene Kunden um eine Spende für die Reparatur gebeten, „und davon kaufen wir dann kleinere Materialen, die wir immer auf Vorrat haben“.

Info
Das Reparatur-Café ist wieder am Sonnabend, 8. Juni, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Es findet im „Ideenreich“, Containergebäude 13 an der Hochschule in Flensburg, Kanzleistraße 91-93, statt. Die Anmeldung ist per E-Mail an reparaturcafefl@gmail.com möglich oder auf der Website des Repair-Cafés.

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