Wildbad-Schließung: Bornowski weist Vorwürfe aus Lokalpolitik zurück

Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski hat die scharfe Kritik des Rothenburger Oberbürgermeisters Markus Naser an der geplanten Schließung der evangelischen Tagesstätte Wildbad Rothenburg zurückgewiesen. Sie habe den Oberbürgermeister bereits am 12. Oktober über die drohende Schließung informiert, sagte Bornowski am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie wies damit Äußerungen Nasers und anderer Lokalpolitiker zurück, dass die Stadtverwaltung nicht vorab informiert wurde und ihre Informationen erst über Anfragen von Pressevertretern erhalten habe.

Naser hatte bereits am Montagabend im Kultur- und Tourismusausschuss des Stadtrates laut „Fränkischer Landeszeitung“ (Mittwoch) den Bewertungsprozess der Gäste- und Tagungshäuser durch die Landeskirche als „Scheinprozess“ bezeichnet. Die Spitze der Landeskirche habe von Anfang an eine Schließung des Wildbads betrieben, sagte der Politiker. Alles, was danach gekommen sei, sei eine „reine Alibi-Veranstaltung und eine Pseudo-Objektivierung des ganzen Prozesses“ gewesen. Das ganze Vorgehen sei „unterirdisch“, er sehe keine Chance mehr für das Wildbad: „Es ist durch. Diese Geschichte, da ist nichts mehr zu retten“, sagte Naser.

Bornowski wies auch diese Vorwürfe allesamt zurück. Der Bewertungsprozess sei in drei Kategorien erfolgt. Das Wildbad habe in allen Kategorien schlecht abgeschnitten. Bei den baulichen und betriebswirtschaftlichen Kriterien habe sich der Landeskirchenrat, der von der Landessynode zu diesem Prozess bereits im März 2022 beauftragt wurde, auf die Analyse externer Gutachter gestützt. Die inhaltliche Arbeit der Tagungshäuser sei vom Team „Prozess und Konzentration“ bewertet worden - unter anderem mit dem Kriterium, ob die inhaltliche Arbeit zwingend an die jeweilige Lokalität gebunden ist oder auch an einem anderen Ort stattfinden könnte.

Wenn Naser zudem öffentlich behaupte, das Wildbad mache aktuell nur ein kleines Defizit, sei das schlicht falsch. Das Minus liege derzeit bei knapp einer Million Euro jährlich, davon seien 500.000 Euro Rückstellungen für künftige Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen. Zwar sei die aktuelle Bausubstanz des Wildbads in der Tat nicht schlecht. „Aber um das Wildbad dauerhaft wirtschaftlich betreiben zu können, müsste erst mal massiv investiert und die Zahl der Übernachtungszimmer erhöht werden“, betonte Bornowski. Die Pläne dafür lägen bereits vor: „Die Landeskirche kann sich so eine Investition aber angesichts der Finanzlage nicht leisten.“

Bornowski verwies auf die geplante Ideenschmiede für die Zukunft des Wildbads. In diesem „Thinktank“ wollen sich Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Hochschulen und Kirche Gedanken darüber machen, wie die drohende Schließung des Wildbads Ende 2025 doch noch verhindert werden kann. Die Landeskirche stellt dann zwar ihre Bezuschussung ein - sollte aber beispielsweise ein Investor gefunden werden, könnte das Wildbad fortbestehen. Rothenburgs Dekanin Jutta Holzheuer sagte, dies sei aber ein durchaus „schwieriges Unterfangen, da dies ohne hohe Investitionen nicht möglich sein wird“. (00/3904/29.11.2023)

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