So lässt sich eine beginnende Essstörung erkennen

Seit der Corona-Pandemie steigt die Zahl der jungen Menschen, die von Essstörungen betroffen sind. Eltern sind oft hilflos und machen sich Vorwürfe. Expertinnen haben Tipps für diese schwierige Lage.

Eine Essstörung kann sich relativ schnell manifestieren, in manchen Fällen bereits innerhalb von wenigen Wochen. Fachleute erklären, wie sich so eine beginnende Erkrankung erkennen lässt.

: Wer immer mehr Regeln befolgt, beispielsweise zunehmend Lebensmittel meidet oder weniger Mahlzeiten zu sich nimmt, könnte sich auf dem Weg in eine Essstörung befinden, sagt die Vorsitzende des Bonner Zentrums für Essstörungen, Annette Bonse. Eine bedenkliche Entwicklung ist es etwa, wenn ein Jugendlicher oder eine Jugendliche die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Eltern nicht mehr zu sich nimmt und auch nicht gemeinsam mit Freunden isst, sondern sich eigenes Essen zubereitet.

Die Autorin des Ratgebers "Mein Kind hat eine Essstörung", Martina Effmert, betont, dass Rituale rund um das Essen ein Alarmzeichen sein können, etwa Kalorien zählen, ständiges Wiegen, Ängste vor bestimmten Lebensmitteln. Wer die Bedürfnisse des eigenen Körpers ignoriere, ernähre sich nicht gesund.

Nicht jeder Mensch benötigt die gleiche Ernährung. Zu welchen Tageszeiten eine Person mehr oder weniger Hunger hat und welche Nährstoffe ihr Körper besser oder schlechter verträgt, ist individuell sehr unterschiedlich. Wenn ein junger Mensch die Ernährung etwa eines Influencers oder einer Influencerin kopiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie nicht passt.

So kann das Auslassen von Mahlzeiten oder die Reduktion von Kalorien laut Bonse bei manchen Menschen in eine Magersucht führen; andere Menschen verlieren dadurch phasenweise die Kontrolle über ihr Essverhalten und entwickeln Essanfälle - wie bei der "Binge Eating"-Störung. Daraus entstehen häufig Scham und Schuldgefühle, das eigene Ziel nicht erreicht zu haben. Wenn sich der Kontrollzwang verschärft, kann ein Teufelskreis entstehen.

Es kann durchaus vorkommen, dass Betroffene das Thema meiden oder abwiegeln. Effmert rät dazu, an einem Strang zu ziehen und Sorgen und Ängste miteinander zu teilen. Damit könnten Eltern ihrem Kind Sicherheit und Stabilität geben. Einfühlsame Gespräche ermöglichten es am ehesten, sich zu öffnen. Dafür sei es auch wichtig, sich selbst von Schuldgefühlen zu befreien: "Niemand ist für die Essstörung verantwortlich." Zudem brauche es Geduld - eine schnelle Lösung gebe es nicht.

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