Wie der warme Winter den Pflanzen Probleme macht

Wenn der Winter mild ist, beginnen Pflanzen viel zu früh mit ihrer Blüte. Das hat Folgen für das Ökosystem – und für Allergiker.

Den Maikäfer mag es freuen, aber die frühe Blüte tut dieser Haselnusspflanze nicht gut
Den Maikäfer mag es freuen, aber die frühe Blüte tut dieser Haselnusspflanze nicht gutimago/Ralph Peters

Angesichts milder Temperaturen im laufenden Winter und der frühen Blüte vieler Pflanzen warnt die hannoversche Botanikerin Jutta Papenbrock vor Schäden. „Vieles gerät durcheinander“, sagte die geschäftsführende Leiterin des Instituts für Botanik an der Leibniz-Universität Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Diese zunehmende Labilität der Ökosysteme sei „eine dramatische Entwicklung“.

„Es gibt viele Pflanzenarten, bei denen schon seit einigen Jahren aufgrund der Klimaerwärmung beobachtet wird, dass sie früher blühen“, führte die Professorin aus. Bei der Haselnuss etwa habe man festgestellt, dass der Strauch mehrere Wochen früher blühe als noch vor Jahren. „Dazu kommt die generelle Beobachtung: Die Blühzeiten werden länger. Für Insekten mag das positiv sein. Aber für Allergiker zum Beispiel ist das äußerst unangenehm, wenn sich die Blüh- und damit die Pollenflugzeiten ausdehnen.“ Auch Vögel leiden unter den warmen Temperaturen.

Schneller Wandel

Weil Pflanzen mit hohem Energieeinsatz Blüten, Samen und Früchte bildeten, seien sie durch einen Frosteinbruch gefährdet. „Letztlich schwächt es die Pflanzen und reduziert den Fortpflanzungserfolg, wenn zu oft vergeblich Blüten erzeugt und zu wenig Samen produziert werden.“

Der Wandel hin zu wärmeren Temperaturen gehe sehr schnell, „so schnell können die Pflanzen durch evolutive Prozesse gar nicht an neue Bedingungen angepasst werden“, warnte die Wissenschaftlerin. „Und wenn so ein Ökosystem labil ist, haben es invasive Organismen generell einfacher, Nischen zu besetzen.“ Dann komme es zu noch mehr Unruhe und Veränderungen, die alle möglichen Auswirkungen haben könnten: „Die müssen nicht nur negativ sein, aber meistens sind sie es doch.“

Dem mit immer wärmeren Temperaturen und Trockenheit verbundenen Stress könne mit klimaresilienten Pflanzen begegnet werden. Damit seien Arten gemeint, die aufgrund ihrer Herkunft besonders an extreme Trockenheit oder Hitze angepasst seien, bei Straßenbäumen etwa Späths Erle, Amberbaum und Blasenbaum. „Vielfalt heißt das Zauberwort“, betonte Papenbrock. Und mit Blick auf die Erderwärmung allgemein müssten „möglichst schnell möglichst viele Maßnahmen“ ergriffen werden.