Taufen

Wenn Flüchtlinge Christ werden wollen

Sie kommen in Hamburger Kirchengemeinden und haben einen Wunsch: Viele Flüchtlinge wenden sich vom Islam ab und möchten getauft werden. Wie gehen die Pastoren damit um?

von Timo Teggatz

Hamburg. Von seinem Wunder erzählte er Millionen Menschen. Vor sechs Jahren floh Ali Ferdows vor den politischen Unruhen im Iran nach Deutschland, mit Verbrennungen im Gesicht. In Deutschland wurde er geheilt – und das ließ ihn zum Christen werden. „Es war ein Heilungswunder“, sagte er in einer kurzen Ansprache beim Reformationsgottesdienst im vergangenen Oktober, der live in der ARD übertragen wurde. Deshalb ließ sich Ali Ferdows in Hamburg taufen und ist inzwischen – genau wie seine Frau – ein gern gesehenes Mitglied in seiner Kirchengemeinde in Schiffbek und Öjendorf.
Heute hilft Ali Ferdows anderen Flüchtlingen, die zum christlichen Glauben übertreten wollen. Zahlreiche Menschen, vor allem aus dem Iran und aus Syrien, sind in den vergangenen Monaten in Hamburger Kirchengemeinden gekommen und haben sich entschieden, Christen zu werden, wie aus Gemeinden zu hören ist. Doch es fällt auf: In Hamburg kommen die Flüchtlinge nicht in großen Gruppen in die Kirchen. Deshalb bieten auch nur wenige Pastoren Glaubenskurse an. Oft entstehen Kontakte zu Interessierten durch persönliche Kontakte von Pastoren oder anderen Mitarbeitern der Gemeinde.

Glaubenskurse keine Voraussetzung

So war es zum Beispiel bei Pastor Harald Ehlbeck aus der Kirchengemeinde St. Gabriel in Barmbek. Er traute ein Paar, zu dessen Bekannten ein junger Mann gehörte, der aus dem Iran geflüchtet war. Er kam mit Ehlbeck ins Gespräch und interessierte sich fortan mehr für den christlichen Glauben. „Man spürt, dass es ihm ernst ist“, sagt der Gemeindepastor, der sich regelmäßig mit dem Flüchtling trifft. Dann sprechen die beiden über Ethik, Politik und den Glauben. Und demnächst wird Pastor Ehlbeck den Iraner taufen.
In Rellingen zählt die Kirche viele Flüchtlinge, die sich für den christlichen Glauben interessieren. Das hat zunächst einmal einen ganz einfachen Grund: Die Kirche mit ihrem markanten Turm gilt als bedeutender Barockbau, den nicht nur Mitglieder der Gemeinde anziehend finden. „Wir hatten schon Flüchtlinge, die unser Gebäude spannend fanden und einfach hereingekommen sind“, sagt Pastorin Iris Finnern.
Seit November leitet die Theologin einen Glaubenskurs, der einmal pro Monat stattfindet. Sie wird unterstützt von einem Übersetzer, denn die meisten Teilnehmer sprechen nur Persisch. Sie möchten sich gern taufen lassen – oder haben es schon getan. Denn bei Pastorin Finnern ist ein Glaubenskurs keine Voraussetzung für die Taufe. Wichtig ist es ihr, mit den Menschen zu sprechen und den Eindruck zu gewinnen, dass eine Taufe in ihren Lebensweg passe.

Was sind die Kriterien?

Und wie kann man sicher sein, das die Flüchtling es ernst meinen und sich nicht nur bessere Chancen auf ein Bleiberecht erhoffen? Das könne man nicht überprüfen, sagt Pastorin Finnern. „Welche Kriterien soll man da anlegen?“, fragt sie. Die Theologin verweist darauf, dass diese Frage nicht nur Flüchtlinge betreffe. So würden auch erwachsene Deutsche getauft, wenn sie zum Beispiel eine Stelle in einer evangelischen Einrichtung antreten möchten.
In die Harburger St.-TrinitatisGemeinde kommen öfter Flüchtlinge zum Gottesdienst; nicht zuletzt deshalb, weil sie sich im nahegelegenen „Café Refugio“ aufhalten, einer Einrichtung, die sich um Flüchtlinge kümmert. Deswegen gibt es die Gottesdienst-Ordnung jetzt auch auf Englisch und Farsi. Für sie, aber auch für Mitglieder der Gemeinde, hat Pastor Friedrich Degenhardt ein neues Angebot ins Leben gerufen: ein „interkulturelles Bibelteilen“, das zweimal pro Monat stattfindet. In einfachen Worten wird über die Bibel gesprochen. Vom Erfolg war der Pastor selbst überrascht: Zur Premiere kamen 18 Interessierte, beim zweiten Mal waren es schon 25 Teilnehmer. Die große Mehrheit waren Flüchtlinge, deswegen wurde auch übersetzt. Ein Paar aus dem Nahen Osten war so begeistert, dass es sein Kind bei Pastor Degenhardt taufen lassen wollte. Wie er mit diesem Wunsch umgeht, weiß der Pastor  noch nicht. Eigentlich sei er „kein Freund schneller Taufen“. Nicht zuletzt deshalb überlegt er, bald Taufkurse anzubieten.

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