Wenn die Schule zu teuer wird

Für Eltern wird es oft teuer, wenn Kinder in die Schule kommen. Oft zu teuer für arme Familien, hat eine Studie aus Hannover herausgefunden.

Schulkinder von hinten mit Ranzen auf den Schultern
Schulkinder von hinten mit Ranzen auf den Schultern

Hannover. Das staatliche Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder aus finanziell benachteiligten Familien deckt die anfallenden Schulkosten nicht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts (SI) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die die Landeskirche Hannover und die Diakonie in Auftrag gegeben haben.
Pro Jahr können Familien, die Sozialleistungen beziehen, aus dem 2011 eingeführten Bildungspaket 100 Euro bekommen. Die realen Schulkosten lägen jedoch durchschnittlich bei rund 150 Euro jährlich, sagte Andreas Mayert, Mitarbeiter des SI. „Damit ist die Teilhabe an unserer Gesellschaft nicht gegeben“, kitisierte Cornelius Hahn. Vorstand der Diakonie Niedersachsens. Er forderte eine Erhöhung der staatlichen Schulkosten-Unterstützung auf mindestens 150 Euro jährlich. Laut der Studie fallen besonders hohe Kosten bei der Einschulung und bei dem Wechsel auf weiterführende Schulen an oder wenn in höheren Klassenstufen eine zweite Fremdsprache unterrichtet wird. Die Kosten könnten dann einmalig bis zu 350 Euro betragen, sagte Mayer.

Schulbildung – ein Weg aus der Armut

Die Schuldezernentin der hannoverschen Landeskirche, Kerstin Gäfgen-Track, betonte die gesellschaftliche Notwendigkeit einer guten Schulbildung für Kinder und Jugendlicher. Sie ermögliche auch den Weg aus der Armut. „Im Bildungswesen haben wir noch eine Ständegesellschaft“, kritisierte Gerhard Wegner, Direktor des SI. Noch immer hingen die Bildungschancen  eines Kindes von seiner familiären Herkunft ab, sagte er. Als Konsequenzen aus der Studie fordern Kirche und Diakonie neben der Aufstockung der Schulkosten-Hilfe eine frühere Auszahlung der Mittel. Würde das Geld bereits zu Beginn der Sommerferien statt zum Schuljahresbeginn gezahlt, könnten die Familien Sonderangebote nutzen.
Weiter appellieren sie an die Schulen, die an die Eltern ausgegebenen Schulbedarfslisten zu überarbeiten. Fraglich sei, ob es Empfehlungen für bestimmte Markenprodukte geben müsse, ob alle angegebenen Arbeitshefte unbedingt gebraucht würden und ob nicht durch  Sammelbestellungen Geld gespart werden könne, hieß es jetzt bei der Vorstellung der Studie.
Oberlandeskirchenrätin Gäfgen-Track kündigte an, dass die Studie mit einem Begleitbrief an alle niedersächsischen Schulen geschickt werde. So hoffe man, die Schulen für das Problem zu sensibilisieren. Für die Studie waren 321 niedersächsische Schulen befragt worden. Die Forscher hatten Bedarfslisten ausgewertet und Preise recherchiert. Eine Online-Befragung von Lehrern gab Auskunft über zusätzliche Kosten.