„Weihnachten“ statt „Winterfest“

Gleichstellungskommissionen und Stadtverwaltungen wollen auf den Begriff „Weihnachten“ verzichten. Was für ein Denkfehler, findet Gerd-Matthias Hoeffchen. Plädoyer für einen Begriff.

Es bleibt dabei: Unser Autor freut sich auf „Weihnachten“
Es bleibt dabei: Unser Autor freut sich auf „Weihnachten“imago images/Rene Traut

Darf man noch „Weihnachten“ sagen? Müsste es nicht besser heißen „Winterfest“? Das fordern nicht nur Stadtverwaltungen und die Gleichstellungskommission der Europäischen Union, sondern zunehmend auch Kitas und Pflegeheime. Statt „Weihnachtsmarkt“ soll es „Wintermarkt“ heißen, statt „Weihnachtsfeiertage“ besser „winterliche Ferienzeit“. Damit sollen Angehörige anderer Kulturen und Religionen von der Bevormundung durch die christliche Tradition befreit werden.

O je. Was für ein Denkfehler. Die Ziele dahinter sind zwar aller Ehre wert – Diskriminierung anderer Kulturen und Religionen vermeiden; Inklusion schaffen, also die Einbeziehung und Teilhabe anderer Traditionen und Herkünfte.

Auf den Kopf gestellt

Nur: Diese Ziele werden so nicht erreicht. Im Gegenteil, sie werden auf den Kopf gestellt. Denn die falsch verstandene, völlig überzogene Gleichmacherei nimmt die Kulturen in ihrer Unterschiedlichkeit ja gerade NICHT ernst, sondern verschweigt sie. Echte Wertschätzung geht anders.

Wie bei Harry Potter

In den Harry-Potter-Romanen der Britin Joanne K. Rowling gibt es einen bemerkenswerten Gedankengang: Alles, was wir uns nicht auszusprechen trauen, machen wir erst richtig schlimm. In den Romanen ist es der Bösewicht Voldemort, der „dessen Name nicht genannt werden darf“. In der echten Welt ist Weihnachten das Fest, das nicht genannt werden darf. Statt Traditionen zu verschweigen oder zu verteufeln, sollte man sie leben, erklären, die Furcht davor nehmen. So schafft man gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Voraussetzung für Frieden. Warum nicht zum Beispiel das Zuckerfest des Islam stärker öffentlich feiern und darstellen? Oder das Yom Kippur des Judentums?

Schlimm genug, dass die unsinnige Forderung nach Gleichmacherei von weltlicher Seite kommt. Geradezu grotesk aber wird’s, wenn kirchliche Einrichtungen und Kreise sie aufgreifen. Zum Teil dann noch mit der Begründung: Das Weihnachtsspektakel sei doch ohnehin eine Mogelpackung; die Menschen glauben nicht mehr an Gott. Das ist Selbstsäkularisierung pur; ein Begriff, den vor Jahren Wolfgang Huber erfand, der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Was Huber meinte: Macht so weiter, und ihr schafft euch ab. Passt hier wie Faust auf Auge.

Wenn man das ganze weitertreibt, könnte man auch darüber nachdenken, christliche und biblische Namen abzuschaffen. Kein Scherz, diese Forderung war in einer Arbeitsvorlage der EU enthalten. Also: Die Maria muss weg, der Joseph. Genauso der Andreas, die Petra, die Mirjam und natürlich die Christine und der Christian. Dann könnte man auch die Kirchstraße abschaffen. Gleich dazu die Heinestraße, Schiller- und die Goethestraße. Warum sollte man Leute aus der eigenen Tradition als Leitbild feiern? Dann lieber neutraler: Dichterstraße. Oder – gibt ja noch andere Kreative als nur die Dichter – Künstlerstraße. Oder, um nicht Männer zu bevorzugen: Straße der Menschen. Das wäre dann hundertprozentig korrekt. Obwohl, die Tiere…

Auf „Teufel“ komm raus

Es geht nicht darum, auf Teufel komm raus (oder, von christlicher Tradition befreit: auf gehörnten Dämon / aufs personifizierte Böse / auf das Dunkle in uns allen raus) alles gleich machen zu wollen. Wenn man Menschen und ihre Kulturen und Traditionen wertschätzen will, dann ist das Gebot der Stunde nicht abschaffen und einebnen. Sondern: Unterschiede erlauben, zulassen und Respekt und gutes Miteinander einüben.