Einsichten – die christliche Kolumne

Was Nikolaus zu sagen hat

Über Armut, Hoffnung und Beistand schreibt Matthias Jehsert. Er ist Pastor in Retzin im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Nehmt zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn.“ aus Jakobus 5, 10

Unsere neue Lese-Ordnung geht in ihr drittes Jahr. Ich freue mich über die Rückkehr einiger Heiliger in den evangelischen Festkalender. Unter diesen sticht Nikolaus weit heraus, zumal in Norddeutschland.

Ob als historische oder mythische Gestalt: Der Bischof von Myra lädt immer wieder zur Besinnung auf ein Christentum ein, das nicht aus Dogmen und Gesetzen lebt, sondern aus der Freundlichkeit des Erlösers.

Was hätte er uns in diesem Jahr zu sagen?

Er, für den laut Legende der Kirchenschatz kein Tabu war, der mit Piraten verhandelte, der sich den Armen zuwandte und für den Standesgrenzen keine gottgegebene Ordnung darstellten. Der aber auch Schärfe kannte und auf dem nizäischen Konzil gar den Arius geohrfeigt haben soll, wofür er vom Kaiser gemaßregelt wurde. Dessen Reliquien schließlich geraubt – oder gesichert – wurden; man verehrt sie noch heute. Der zum Erzheiligen vieler Lebensverhältnisse und ganzer Völker avancierte und dessen Name ungezählten Kirchen eine Verpflichtung ist.

Von der Geduld hätte er heute zu reden, ganz wie der Jakobusbrief. Wir leben nicht im Paradies. Durch die Welt im Kleinen wie im Großen ziehen sich Entbehrungen und Katastrophen. Nikolaus erinnert daran, dass es neben Krankheiten, Maskenpflicht und abgesagten Weihnachtsmärkten bis heute Hungersnöte gibt, dazu Armut, Standesgrenzen und Piraten auch. Er erinnert an die Hoffnung, wo Hochzeiten abgesagt werden und Lebenshunger herrscht. Und er erinnert an Rettung und Beistand, wo Zuversicht und Zusammenhalt schwinden.

Vor allem aber ist er durch die Reformation zum Vorboten des Christfestes geworden. Wir bereiten einander am 6. Dezember manch kleine Überraschung. Wie viel größer ist Gottes Geschenk, der in Christus Frieden zur Welt bringt!

Ob Nikolaus beim Konzil in Nizäa dabei war? Falls ja, hat er mit bekannt: „Jesus Christus – Gott von Gott, Licht vom Licht.“ Dieses Vertrauen ist wohl sein größtes Vermächtnis.

Unser Autor
Pastor Matthias Jehsert
aus Retzin im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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