Warum die Streitkultur im Internet so schwierig ist

Warum Debatten im Internet oft in einem Wettkampf um Lautstärke und Provokation enden, beschäftigt die „SpardaSurfSafe“-Initiative der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg im November. Immer wieder führten vermeintlich harmlose Artikel oder Social-Media-Beiträge dazu, dass hunderte oder gar tausende Nutzer sich beschimpfen, provozieren oder beleidigen, so die Stiftung in einer Mitteilung vom Montag. Oft heizten sogenannte Trolle eine Diskussion gezielt an, bis sie in einem handfesten Streit eskaliert.

Mit möglichst provokanten Aussagen erhalte jemand mehr Aufmerksamkeit als mit Fakten, sagt Götz Schartner vom Verein Sicherheit im Internet, einem Mitveranstalter von „SpardaSurfSafe“. Gerade bei emotional aufgeladenen Themen sähen sich manche im Recht, auch wenn es dazu keine ultimativ richtige Meinung gebe. Viele Nutzer würden sich zumeist in ihrer eigenen Bubble bewegen, in der alle der gleichen oder zumindest einer ähnlichen Meinung sind. „Wird dann diese Ansicht außerhalb der eigenen Community infrage gestellt, gleicht das fast einem persönlichen Angriff.“

Was es Trollen und Pöblern leicht mache, sei die Anonymität im Internet. Wer im echten Leben schüchtern und zurückhaltend sei, könne sich im Netz austoben oder angestaute Aggressionen loswerden. Hinzu komme, dass ohne Mimik, Tonfall und Körpersprache feine Nuancen der menschlichen Kommunikation verloren gehen, sagt Schartner: Besonders bei Ironie oder Sarkasmus verrate oft nur der Tonfall oder Blick, ob eine Aussage ernst gemeint sei oder nicht.

Laut Schartner tragen auch die Plattformen selbst zur Eskalation bei, indem ihre Algorithmen Beiträge mit viel Interaktion vermehrt ausspielen und sie dadurch sichtbarer machen. Je verbissener eine Diskussion, desto mehr Leute werden in den Streit hineingezogen. Für einen Shitstorm reiche es, wenn eine kleine, aber laute Gruppe sich provoziert fühle, auch wenn das nie die Intention des Beitrags war, erklärt Schartner. Sein Rat: „Im Zweifelsfall kann man sich auch ganz einfach ein wenig zurückhalten. Nicht jeder Kommentar muss beantwortet werden. Im Gegenteil: Gerade Trolle sollte man ganz einfach ignorieren.“ (2937/17.11.2025)

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