Wandelaltäre in der Passsionszeit

Themenführungen am 27. März und 10. April bringen Besuchern die kostbaren Altäre der Lüneburger St.-Johannis-Kirche näher.

Lüneburg. Es ist ein Bild, das man nur kurz genießen kann: In den Wochen vor Ostern sind die Altäre in der Lüneburger St.-Johannis-Kirche im wahrsten Sinne des Wortes verwandelt. Denn in der Passionszeit wird nicht nur der Hauptaltar geschlossen, auch die beiden jüngeren Nebenaltäre werden zugeklappt. Doch auf Schmuck müssen die Besucher nicht verzichten, denn die Wandelaltäre sind von beiden Seiten bemalt.

Führungen am 27. März sowie am 10. April

Themenführungen bringen Besuchern diese Kostbarkeiten am Hochaltar in dem Gotteshaus Am Sande näher: am 27. März sowie am 10. April jeweils nach dem Gottesdienst gegen 11.15 Uhr. Die drei Kirchenführer Reinhard Dahlhaus, Irene Wiebke und Hiltrud Gutewski erläutern die Besonderheiten und Hintergründe.

In den Wochen vor Ostern werden am Hauptaltar statt des Schnitzaltars mit der Passion Christi die Tafeln des Malers Hinrik Funhof sichtbar. „Diese Tafeln sind mein Favorit“, sagt Gudrun Jesussek, die Gruppenleiterin der Kirchenführer von St. Johannis. „Funhof malte besonders farbenprächtig. Und seine Bilder wurden nie restauriert, sondern immer nur gereinigt.“ Mit etwas Aufwand könne man diese Tafeln zwar auch außerhalb der Passsionszeit bewundern. „Aber dafür muss man sonst hinter den Altar kriechen.“

Diese 1482 bis 1484 entstandenen Bilder zeigen auf jeweils einer Tafel Szenen von Leben und Martyrium Johannes des Täufers, dem Namensgeber der Kirche, von Cäcilie, der Heiligen des Bistums Verden, zu dem Lüneburg damals gehörte, und von Ursula und Georg, den beiden Heiligen der Stadt. Um welche Legenden es sich handelt, die politische Bedeutung der Bilder und auch Einblicke in die Mode der damaligen Zeit seien einige der Themen der Führungen, so Jesussek.

Tafel zählen zu den wertvollsten norddeutschen Malereien

Auch kunsthistorisch sind die Bilder von besonderer Bedeutung: Die vier Tafeln des Hochaltars zählen von Qualität und Erhaltungszustand her zu den wertvollsten norddeutschen Malereien der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Doch erst 1918 entdeckte der Kunsthistoriker Carl Georg Heise Hinrik Funhof und seine Bedeutung für die norddeutsche Malerei der Spätgotik wieder.

Funhof hat seine Wanderjahre vermutlich in den Niederlanden absolviert und diese Einflüsse dann in eine lokale, niederdeutsche Formensprache übersetzt. Viele Werke des Künstlers existieren allerdings nicht mehr: So sind beispielsweise Malereien für die Altäre in St. Georg und im Hamburger Dom nicht mehr erhalten, der Domaltar ist nur in einer Zeichnung von 1737 überliefert. „Damit gibt es von ihm nur noch unsere vier Gemälde und eines in der Hamburger Kunsthalle“, sagt Gudun Jesussek.

Zwei Wochen vor Ostern, am Sonntag Judica, erfolgt dann eine zweite Wandlung. Dann zeigt ein ungewohnt schmaler Altar zwei Bilder von Hans Espenrad (ca. 1490). Die Kirchenführerinnen wollen dann besonders auf zwei Szenen der Passionsgeschichte aufmerksam machen.