Kein assistierter Suizid in Slowenien: In einem Referendum hat eine Mehrheit dem Vorhaben eine Absage erteilt. Ein Ende der Debatte ist aber nicht in Sicht; Befürworter haben bereits weitere Schritte angekündigt.
Die Sloweninnen und Slowenen haben sich in einer Volksabstimmung mehrheitlich gegen Suizidbeihilfe ausgesprochen. Mehr als 53 Prozent stimmten am Sonntag gegen ein entsprechendes Gesetz, mit dem das Parlament im Sommer unheilbar kranken Menschen unter Auflagen die Möglichkeit von assistiertem Suizid eingeräumt hatte. Das Thema spaltet das südosteuropäische Land seit mehreren Jahren.
Positiv auf die Absage reagierte in der Nacht zu Montag die katholische Slowenische Bischofskonferenz. Der Vorsitzende, Bischof Andrej Saje, erklärte, das Ergebnis zeige, dass Respekt für Menschenwürde vorherrsche. "Wir freuen uns, dass das Bewusstsein gewonnen hat, dass jedes menschliche Leben wertvoll und unantastbar ist und wir es als höchsten Wert schützen müssen, unabhängig von den Umständen", so der Bischof. Das Referendum solle Anlass sein, die Palliativmedizin für Sterbenskranke auszubauen sowie das Gesundheitssystem und den Pflegesektor zu stärken. Ziel der Palliativmedizin ist nicht Heilung, sondern bestmögliche verbleibende Lebensqualität des Patienten.
Die Sterbehilfedebatte spaltet das südosteuropäische Land seit 2023. Bei einer Volksbefragung 2024 hatte sich eine Mehrheit von knapp 55 Prozent der Wähler für eine gesetzliche Freigabe der Beihilfe zum Suizid durch das Parlament ausgesprochen. Gegner der Suizidbeihilfe hatten daraufhin genügend Unterschriften gesammelt, um eine verbindliche Volksabstimmung gegen das im Juli beschlossene Gesetz abzuhalten.
Mit dem Volksentscheid vom Sonntag könnte das Parlament laut slowenischen Medien frühestens in einem Jahr erneut ein entsprechendes Gesetz erlassen. Befürworter betonten noch am Abend der Abstimmung, dass dies nicht das Ende der Debatte sei. "Dieses Gesetz wird in diesem Land definitiv verabschiedet werden; es ist eine historische Notwendigkeit", so einer der Aktivisten.