„Verteidigungskrieg ist ethisch legitim“

Es ist für die Kirchen ein schwieriges Thema: Darf man der Ukraine Waffen liefern? Sollte man es sogar? Nein, sagt Margot Käßmann. Ein früherer Militärbischof hält dagegen.

Soldat hat Waffe im Anschlag und zielt
Soldat hat Waffe im Anschlag und zielt

Hamburg. In der evangelischen Kirche bleiben Waffenlieferungen an ukrainische Streitkräfte umstritten. Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann bezweifelte in einem Interview mit der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, dass diese am Ende Frieden bringen. Der frühere evangelische Militärbischof Sigurd Rink sagte in dem Gespräch mit Käßmann: „Verteidigungskrieg ist ethisch legitim“.

Die frühere hannoversche Landesbischöfin Käßmann verteidigte vor Ostern die deutsche Friedenspolitik: „Der Krieg in der Ukraine ist furchtbar. Aber der Versuch, mit Russland in Frieden zu leben, war richtig.“ Dies werde auch nach dem Krieg wieder nötig sein. „Jetzt den Pazifismus zu verdammen, weil man nicht weiß, wie man den Krieg stoppen soll, das ist falsch“, fügte sie hinzu.

„Dumm und naiv“

Käßmann: „Wenn ich derzeit sage, dass immer mehr Waffenlieferungen am Ende keinen Frieden bringen, werde ich beschimpft als dumm und naiv.“ Sie sei aber keine Radikalpazifistin. „Es ist klar, dass man Aggressoren stoppen muss. Aber es ist auch klar, dass es keinen sauberen Verteidigungskrieg gibt.“


Mehr zum Thema
Bischöfin Fehrs hält Waffenlieferungen für gerechtfertigt
Käßmann kritisiert Waffenlieferungen und Aufrüstung der Bundeswehr


Ex-Militärbischof Rink erklärte hingegen in dem Gespräch, die Kirchen sollten Waffenlieferungen befürworten: „Christen dürfen ihr eigenes Leben und das anderer mit der Waffe verteidigen.“ Weil die Ukraine sich verteidige, dürften die Kirchen auch Waffenlieferungen unterstützen.

Pazifismus an der Grenze

Es gebe Grenzen des Pazifismus, sagte Rink: „Als Christenmensch muss ich nach den Geboten der Bergpredigt die andere Wange hinhalten und Unrecht leiden. Gleichzeitig muss ich die schützen, die mir anvertraut sind“, sagte Rink unter Berufung auf Martin Luther. Daher komme die Idee des gerechten oder gerechtfertigten Krieges. In der Ukraine müsse die Völkergemeinschaft jetzt ein bedrängtes Volk unterstützen: „Dem sollten die Kirchen nicht im Weg stehen.“

Sigurd Rink war 2014 als erster hauptamtlicher Militärbischof der EKD eingeführt worden. Seit Oktober 2020 ist Bernhard Felmberg sein Nachfolger in diesem Amt. Rink wechselte auf eine Stelle im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung. (epd)