"Grenzen und Verzerrungen": Der Bundesverband Rias stellt eine Studie vor, wonach die Polizeistatistik bei politisch motiviertem Antisemitismus Defizite hat.
Bei Antisemitismus hat die Polizeistatistik zur politisch motivierten Kriminalität aus Sicht eines Verbandes nur eine begrenzte Aussagekraft. Zugleich komme dieser Statistik in Politik und Gesellschaft aber eine große Bedeutung zu, heißt es in einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias). Es sind Ergebnisse des Projekts "Austausch von Polizei und Zivilgesellschaft zu Antisemitismus", das von Rias getragen wird.
Kritisiert wird etwa, dass Taten manchmal nicht als antisemitisch erkannt würden. Hinzu komme, dass Delikte lange dem Bereich "rechts" zugeordnet worden seien, wenn keine näheren Angaben zum Hintergrund vorgelegen hätten. Die Studie moniert zudem, dass die Perspektive von Betroffenen nicht immer ausreichend berücksichtigt werde; das könne dazu führen, dass Vorfälle nicht angezeigt würden.
Als ein Fazit hält die Studie fest, dass "Grenzen und Verzerrungen" der Statistik zu politisch motivierter Kriminalität offengelegt werden müssten. Die Studie basiert den Angaben zufolge auf der Auswertung von Polizeistatistiken sowie Interviews mit Fachleuten zwischen März und Dezember 2023.
Für 2024 erfasste die Statistik zu politisch motivierter Kriminalität einen Anstieg antisemitischer Straftaten um knapp 21 Prozent auf rund 6.200 (Vorjahr: 5.200) - ein Höchststand. Fast die Hälfte der Fälle wurde dem rechten Spektrum zugeordnet, knapp ein Drittel ausländischer Ideologie.