Das Forschungsprojekt „Der Vatikan und die Verfolgung der Juden in Europa“ der Universität Münster erhält von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern eine Förderung von mehr als 15 Millionen Euro. 15,4 Millionen Euro werden über eine Laufzeit von 25 Jahren dem Vatikan-Team des Kirchenhistorikers Hubert Wolf zur Verfügung gestellt, wie die Universität Münster am Freitag mitteilte. Untersucht werden sollen rund 10.000 Bittschreiben jüdischer Menschen an den Vatikan während der NS-Zeit.
Die Förderung schaffe „exzellente Voraussetzungen, die Bittschreiben jüdischer Verfolgter aufzuarbeiten und das wichtige Thema 'Vatikan und Shoah' wissenschaftlich verantwortet und mit all seinen Licht- und Schattenseiten in den nächsten 25 Jahren bearbeiten zu können“, erklärte Wolf. In der aktuellen Zeit gebe es nichts Wichtigeres, als die Lebensgeschichten der jüdischen Verfolgten öffentlich sichtbar zu machen.
Die Bittschreiben an den Papst Pius XII. hatte der Münsteraner Historiker mit seinem Team in den Vatikanischen Archiven entdeckt. Es handelt sich den Angaben zufolge um etwa 10.000 Bittschreiben mit rund 17.000 Seiten in mindestens 17 Sprachen. Hinzu kämen mehr als 55.000 Blatt umfassende Dokumente zur Entscheidungsfindung im Vatikan in zwölf Sprachen. Die Dokumente seien für die Forschung erst seit dem Jahr 2020 in den vatikanischen Archiven zugänglich.
Mit 4,3 Millionen Euro wird zudem an der Universität Münster die Erforschung mehrerer Tausend Papyrusfragmente aus Ägypten in altgriechischer Sprache gefördert.
Mit dem sogenannten Akademienprogramm fördert die Akademienunion, ein Zusammenschluss acht deutscher Wissenschaftsakademien, die Erschließung, Sicherung und Erforschung weltweiter kultureller Überlieferungen. Es ist derzeit das größte Langzeit-Forschungsprogramm für geistes- und sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung in Deutschland. Bund und Länder stellen hierfür 2026 eine Zuwendung in Höhe von rund 82 Millionen Euro zur Verfügung.