Während viele Deutsche mit großen Sorgen auf die USA schauen, bleiben sie bei Schülerinnen und Schülern das Reiseziel Nummer eins. Für die Jugendlichen sei „der Aufenthalt in den USA einfach ein Traum. Da geht Privates vor Politik“, sagt Anne von Fircks, Sprecherin beim Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch (AJA), dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Zulauf bei den Austauschprogrammen sei weiterhin sehr hoch. Es gebe mehr Fragen, mehr Beratung, aber bisher keine Probleme. Die Austauschorganisationen meldeten dem Dachverband zwar noch freie Plätze, „aber nicht viele und auch nicht mehr als vorher“, bilanziert von Fircks.
Im Frühjahr 2025 wurden die Termine in den Konsulaten ausgesetzt und die Richtlinien geändert – nun müssen bei einer Einreise in die USA die Social Media-Accounts angegeben werden. Daher sei der Beratungsbedarf gestiegen. „Letztlich haben aber alle bislang ihre Visa bekommen, und auch bei der Einreise hat es keine Probleme gegeben“, sagt von Fircks.
Es sei eine leicht stärkere Tendenz zu Kanada zu beobachten, wie schon in Trumps erster Amtszeit. Doch viele Schüler seien eher unpolitisch. Sie betont, wie wichtig der Austausch für die Kontakte zwischen den Ländern sei. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. „Das ist eine lange Tradition, die wir nicht einfach aufgeben dürfen“, so von Fircks: „Trump ist nicht die USA“.
Maja Van Grassdorff ist seit 19 Jahren beim GLS Sprachenzentrum Berlin und leitet dort die Abteilung Highschool. Sie betont: „Alle in der Branche sind erschüttert von den Entwicklungen, und aus Elternsicht kann ich ein Zögern verstehen. Aber ich denke wirklich, gerade jetzt ist es wichtig, dass man in ein Land geht, das gerade dabei ist, sich abzuschotten vom Rest der Welt.“
Im Highschoolprogramm von GLS gehen die Schüler für mehrere Monate Schulaufenthalt in die USA, etwa 120 Schüler pro Jahr. Seit dem Amtsantritt von Trump kann sie schon einen leichten Rückgang beobachten. „Seit Dezember ist das Interesse aber extrem zurückgegangen, und das ist für die Jahreszeit eher ungewöhnlich“, so Van Grassdorff.
Leopold Brünnler war Trump ziemlich egal bei seiner Entscheidung. Der Hamburger ist kurz vor Weihnachten aus den USA zurückgekehrt. Mit einem Fußball-Teilstipendium war er für ein Semester im Bundesstaat Illinois, in der Nähe von Chicago. „Ich wollte nach dem Abi Erfahrungen sammeln, Amerika sehen. Politik hat da für mich keine Rolle gespielt“, sagt der 19-Jährige.
Als es im August losging, hatte er dann allerdings schon ein paar Bedenken. „Die Grenzkontrolle war aufregend. Ich hatte schon ein bisschen Angst, dass es Schwierigkeiten gibt“, sagt Brünnler. Für den jungen Mann klappte aber alles reibungslos. Seine Mutter Christiane Huwe fügt hinzu: „Es gibt viele Formulare zum Ausfüllen, Termine bei der Botschaft, das ist alles kompliziert und die wollen wirklich alles wissen. Man muss das schon wollen.“
Leopold Brünnler sollte eigentlich zwei Semester in den USA bleiben, will aber nun nicht zurück nach Illinois. „Das hat aber nichts mit der Politik zu tun, ich habe mir das sportlich einfach anders vorgestellt“, sagt er. In Deutschland will er im Oktober ein duales Studium beginnen. Seine Erfahrungen in den USA waren gut. Alles sei noch größer und beeindruckender gewesen, als er dachte, und er habe viele gute Leute kennengelernt.
Die Familie ließ sich von der Agentur Wagner & Woolf unterstützen. Diese hilft Sportlern bei der Suche nach der richtigen Universität in den USA. Bei der Agentur sei die Nachfrage nicht zurückgegangen, sagt Geschäftsführer Robert Wagner. „Im Gegenteil, sie ist eher gestiegen.“ Er vermutet, dass das auch mit den gestiegenen Kosten in Deutschland zu tun hat. „Wenn man als Leistungssportler hier in den USA ein Stipendium bekommen kann, ist das fast günstiger“, erklärt Wagner. Er habe auch noch keine Bewerberinnen und Bewerber gehabt, die ihr Visum nicht bekommen haben.
Gernot Stiwitz, Abteilungsleiter beim Pädagogischen Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz rechnet zwar damit, „dass sich das Interesse am Aufenthalt in den USA abschwächen wird. Wir hören schon viel Skepsis. Bisher können wir das aber an den Zahlen unserer Programme nicht ablesen“, sagt. Der PAD organisiert unter anderem Gruppenschüleraustausch von und für Schulen, die in der Regel drei Wochen dauern.
Stiwitz betont: „Die USA – auch unter Trump in der ersten Amtszeit – haben eine große Anziehungskraft auf Schüler.“ 2024 sind mit Unterstützung des PAD 185 Gruppen mit insgesamt 3.084 Schülern aus Deutschland in die USA geflogen. Im vergangenen Jahr waren es 186 Gruppen mit 3.200 Schülern. Hier lasse sich also noch kein Trump-Effekt ablesen.
Und auch bei den Anfragen für 2026 konnten die Mitarbeiter des PAD noch keinen Rückgang beobachten. Die Stimmung unter den Schülern sei gut, das Umfeld sehr behütet, und die große Politik spiegele sich an den Schulen nicht wider.