Im Sudan überschlagen sich die Ereignisse. Nach einer dramatischen Zuspitzung der Lage in der Region Darfur könnte es nun eine Waffenruhe geben. Das UN-Flüchtlingshilfwerk sieht Deutschland dabei in besonderer Rolle.
Für den Sudan-Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Abubakarr Jalloh, kann und sollte Deutschland bei diplomatischen Bemühungen im Bürgerkrieg eine entscheidende Rolle spielen. "Das wird nicht über Nacht geschehen, aber Deutschland kann hier großen Einfluss nehmen", sagte Jalloh im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Deutschland werde als neutraler wahrgenommen als andere Staaten.
Es habe sich offenbar die Rhetorik geändert: weg von einem Krieg bis zum bitteren Ende, führte der UN-Repräsentant aus. Einzelne Parteien natte er nicht.
Deutschland sollte sich aus seiner Sicht zunächst an die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen wenden. "Deutschland kann sich dafür einsetzen, dass der Sudan nicht irgendeine Krise ist, sondern besondere Aufmerksamkeit braucht", sagte Jalloh. Aber auch die EU habe großen Einfluss. Und Deutschland innerhalb der EU. "Es darf nicht so weit kommen, dass der Sudan als verlorener Staat gesehen wird."
Nothilfe sei entscheidend und dringend; nicht nur humanitär, sondern auch auf diplomatischer Ebene. "Wir haben im Land die große Sorge, dass das, was in El Fasher passiert, sich in einer anderen Region wiederholt. Das darf nicht passieren", warnte Jalloh. Aber es gehe bei der Hilfe auch um die weiteren Regionen des Sudan, die unzählige Vertriebene aufgenommen hätten, darunter viele Flüchtlinge aus den Nachbarländern.
Im Sudan kämpfen seit April 2023 Regierungstruppen mit Paramilitärs um die Macht. Ende Oktober brachten die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) El Fasher, die strategisch bedeutsame Regionalhauptstadt der Region Nord-Darfur, unter ihre Kontrolle. Geschätzt sind noch rund 200.000 Menschen dort eingeschlossen.