In dem von Bandengewalt beherrschten Haiti ist am Donnerstag eine Übergangsregierung vereidigt worden. Der Übergangsrat aus neun Mitgliedern werde unter Leitung des früheren Finanzministers Michel Patrick Boisvert als Interim-Regierungschef seine Geschäfte aufnehmen, hieß es in einer Erklärung der Behörden. Zuvor war der frühere Interims-Ministerpräsident Ariel Henry zurückgetreten. Der Übergangsrat hat die zentrale Aufgabe, die ersten Wahlen in dem Karibikstaat seit 2016 zu organisieren.
Führende Politiker des Landes, das sich in einer schweren Krise befindet, hatten sich Anfang April unter Vermittlung der Karibischen Gemeinschaft (Caricom) auf das Verfahren geeinigt. Der Übergangsrat soll 22 Monate bestehen und die Ordnung im Land wiederherstellen.
Haiti leidet seit Jahren unter einer schweren ökonomischen und politischen Krise. Ende Februar eskalierte die Gewalt. Banden, die den Rücktritt Henrys forderten, übernahmen die Kontrolle über Teile des Landes, darunter auch ein Großteil der Hauptstadt Port-au-Prince. Der Interims-Ministerpräsident befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Auslandsreise, um über die Entsendung von UN-Friedenstruppen zu verhandeln. Er kehrte nicht zurück und befindet sich in den USA. Der UN-Sicherheitsrat billigte eine Polizeimission, doch die verzögerte sich nach der Eskalation.
Viele Hilfsorganisationen und auch die Vereinten Nationen haben wegen der Gewalt Personal aus Haiti abgezogen. Den Menschen fehlt es an Lebensmitteln und Medikamenten. Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Es wurde in den vergangenen Jahren auch immer wieder von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Wirbelstürmen erschüttert.